Globale Weinproduktion sinkt zum dritten Mal in Folge

20.05.2026

Klimaschocks und Zölle verknappen das Angebot, treiben die Preise und verändern den Handel in wichtigen Märkten

Die globale Weinbranche ist mit geringerer Produktion, niedrigerem Konsum und engeren Handelsströmen ins Jahr 2026 gestartet, wie der jüngste Bericht der International Organisation of Vine and Wine zeigt – ein Bild, das auf einen unter Druck stehenden Markt hindeutet, aber nicht auf einen Zusammenbruch.

Die weltweite Weinproduktion sank 2025 auf 227 Millionen Hektoliter und lag damit das dritte Jahr in Folge unter dem langfristigen Durchschnitt. Zugleich ging die Rebfläche auf 7,0 Millionen Hektar zurück, ein Minus von 0,8 % gegenüber dem Vorjahr und der sechste jährliche Rückgang in Folge. Auch der weltweite Konsum schwächte sich ab und fiel auf 208 Millionen Hektoliter, ein Rückgang um 2,7 %, da Verbraucher in reifen Märkten weiterhin weniger Wein nach Volumen kauften, selbst wenn sie für einzelne Flaschen mehr ausgaben.

Der Bericht zeigt, dass das Klima weiterhin die wichtigste Triebkraft hinter dem schrumpfenden Angebot ist. Spätfrost, Dürre und plötzliche Starkregenereignisse drückten die Erträge in wichtigen europäischen Regionen wie Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland. In Burgund sprach ein Erzeuger von Ertragsunterschieden von rund 40 % zwischen benachbarten Dörfern – ein Zeichen dafür, wie ungleich die Ernten selbst innerhalb derselben Appellation geworden sind. Das Ergebnis ist ein Markt, in dem Knappheit nicht mehr nur vorübergehend ist, sondern zunehmend systembedingt.

Diese Knappheit hat dazu beigetragen, die Preise stabil zu halten. Normalerweise würde schwächerer Konsum die Margen unter Druck setzen und Rabatte erzwingen. Doch weil die Produktion nahezu im gleichen Tempo wie die Nachfrage zurückgegangen ist, blieb das Gleichgewicht erhalten. Für Erzeuger in etablierten Regionen bietet das einen gewissen Schutz. Für Käufer bedeutet es, dass gefeierte Weine so bald kaum günstiger werden dürften.

Der Bericht verweist zudem auf veränderte Trinkgewohnheiten. In mehreren reifen Märkten trinken jüngere Verbraucher insgesamt weniger Wein, greifen aber häufiger zu Flaschen über der Marke von 15 Euro. Diese Verschiebung begünstigt Premiumweine gegenüber volumenstarken Einstiegslabels und erklärt mit, warum sich der Wert in vielen Märkten besser gehalten hat als das Volumen. Auch der Schwerpunkt der Nachfrage verlagert sich. Der Konsum steigt in Ländern wie Japan, Brasilien und Portugal, während Frankreich und Deutschland weiter an Boden verlieren.

Auch die Handelsdaten zeigen eine ähnliche Belastung. Die weltweiten Exporte erreichten 94,8 Millionen Hektoliter im Wert von 33,8 Milliarden Euro – beides unter dem Niveau von 2024. Der stärkste Rückgang entfiel auf die Vereinigten Staaten, wo der Importwert um 11,6 % auf 5,5 Milliarden Euro sank. Zölle waren der Hauptgrund: Sie verteuerten europäischen Wein für amerikanische Importeure und drückten sowohl Volumen als auch Margen. Premiumregionen wie Burgund und Champagne sind besonders exponiert, weil sie stark vom US-Vertrieb abhängen.

Der Druck verändert bereits die Handelsrouten. Einige asiatische Märkte nehmen mehr hochwertigen Champagner und italienischen Wein ab, während Importeure in Südamerika breitere Portfolios aufbauen. Für Produzenten und Händler deutet das auf einen Weinhandel hin, der weniger vom Atlantikverkehr geprägt ist und sich stärker über mehrere Regionen verteilt.

Gleichzeitig verzeichneten mehrere Länder nach früheren Klimaschäden oder Marktrückschlägen bessere Ergebnisse. Brasilien, Neuseeland, Südafrika und Moldau zeigten 2025 allesamt Anzeichen einer Erholung. Portugal legte sowohl bei der Produktion als auch beim Exportwert weiter zu. Diese Märkte ziehen die Aufmerksamkeit von Importeuren auf sich, die Qualität zu niedrigeren Preisen suchen als sie viele klassische europäische Regionen inzwischen bieten.

Für Verbraucher bedeutet das: Die Auswahl an Weinen, die sich lohnen könnten, wird größer – selbst wenn vertraute Flaschen schwerer zu bekommen oder teurer werden. Ein Rotwein aus Portugals Dão oder ein moldauischer Fetească Neagră kann heute Komplexität zu einem Preisniveau bieten, das Burgund oft nicht mehr erreicht. Südafrikanischer Chenin Blanc und neuseeländischer Pinot Noir gehören weiterhin zu den stärkeren Preis-Leistungs-Weinen im internationalen Weinhandel.

Der OIV-Bericht beschreibt keinen Sektor im freien Fall und auch keinen im Aufschwung. Er beschreibt eine Branche, die sich an kleinere Ernten, veränderte Vorlieben und kompliziertere Handelsmuster anpasst – in einer Zeit, in der Klima und Politik bestimmen, was zu welchem Preis ins Regal gelangt.