Italienische Weingüter setzen auf Kunst als kulturelle Räume

18.05.2026

Fachleute sagten auf einer Weinkonferenz in Palermo: Weinberge können zu Zielen werden, an denen Landschaft, Architektur und zeitgenössische Kunst zusammenkommen.

Auf einer Weinkonferenz in Palermo vertraten in dieser Woche zwei italienische Fachleute die Ansicht, dass Weinberge und Weingüter nicht nur Produktionsstätten, sondern auch kulturelle Räume sein können – vorausgesetzt, sie werden mit genauer Beobachtung, technischem Können und der Zusammenarbeit mit Künstlern und Handwerkern gestaltet.

Die Diskussion fand im Rahmen von Sicilia en primeur 2026 statt, der jährlichen Veranstaltung von Assovini Sicilia, die am Freitag im historischen Zentrum von Palermo zu Ende ging. Auf dem Podium saßen Patrizia Pozzi, Landschaftsarchitektin mit Projekten an der Schnittstelle von Landwirtschaft und öffentlichem Raum, Agata Polizzi, Kunsthistorikerin und unabhängige Kuratorin, die unter anderem mit der Fondazione Mario Merz und Planeta gearbeitet hat, sowie Francesco Seminara, Food- und Weinjournalist.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage, wie Kunst das Erlebnis eines Weingutsbesuchs vertiefen und dazu beitragen kann, die gebaute Umgebung mit der umliegenden Landschaft zu verbinden. Pozzi sagte, Wein trage Geschichte, familiäre Erinnerung, Herkunftsort und Erwartung in sich – all das sollte in die architektonische Gestaltung einfließen. Sie argumentierte, dass Weingüter zunehmend zu Mäzenen der Kunst geworden seien, weil sich die Hospitality in Italien seit 2010 stark ausgeweitet habe, besonders in Sizilien, wo Produzenten Räume schaffen wollten, die den Wert ihrer Weine widerspiegeln.

Pozzi sagte, erfolgreiche Projekte begännen mit einer sorgfältigen Beobachtung des Ortes und der Vision des Produzenten. Designer bräuchten Geduld und ein breites Spektrum an Fähigkeiten, darunter botanisches Wissen und ein Verständnis dafür, wie natürliche Systeme funktionieren. Ziel sei es, Natur und Gestaltung so zusammenzubringen, dass sie nicht nebeneinanderstehen.

Polizzi sagte, zeitgenössische Kunst könne Besuchern helfen, einen Ort umfassender zu verstehen, indem sie Emotionen und Erinnerungen wecke. Die frühere Zurückhaltung gegenüber Berührung oder Interaktion mit Kunst lasse nach; direkte Auseinandersetzung könne zeitgenössische Werke zugänglicher machen. Aus ihrer Sicht können Weingüter mit Konzerten, Ausstellungen oder Performances den Gästen mehr bieten als nur eine Weinprobe: einen Grund zur Rückkehr.

Beide betonten, dass solche Projekte nie das Ergebnis einer einzelnen Person seien. Sie erforderten den Dialog zwischen Künstlern, Kuratoren, Eigentümern und lokalen Arbeitskräften. Polizzi sagte, der Prozess sei einer der Übersetzung und Vermittlung, bei dem unterschiedliche Perspektiven zu einem stimmigen Ganzen zusammengeführt werden müssten. Erfolg hänge davon ab, Gäste neugierig zu machen und einzubinden – ganz gleich, ob das Endergebnis ein Kunstwerk, ein Gebäude oder ein Garten sei.

Auch Technologie kam zur Sprache – allerdings nur als Werkzeug. Pozzi sagte, digitale Methoden könnten helfen, ein Projekt zu präsentieren, dürften aber direkte Erfahrung oder handwerkliche Arbeit nicht ersetzen. Zeichnen von Hand sei weiterhin wichtig, weil es Proportionen, Detailgenauigkeit und ein physisches Formgefühl schule. Polizzi machte einen ähnlichen Punkt und sagte, Handwerker und Kunsthandwerker blieben unverzichtbar, um eine Idee in etwas Reales zu verwandeln, bevor sie in digitale Form übertragen werde.

Das Podium spiegelte einen breiteren Wandel wider: Einige italienische Weingüter denken ihre Rolle im Tourismus und in der Kultur inzwischen neu – nicht nur als Orte der Weinproduktion, sondern als Räume, in denen Landschaft, Architektur und Kunst so gestaltet werden sollen, dass sie gemeinsam das Besuchserlebnis prägen.