Russische Forschende entwickeln KI-System zur Bestimmung der Weinzusammensetzung anhand eines Tropfens
Das Verfahren bestimmt mithilfe von Infrarotspektroskopie fünf Bestandteile in weniger als einer Minute und bietet Weingütern ein schnelleres Screening.
Samstag, 10. Oktober 2026
Forschende in Russland haben ein System entwickelt, das mithilfe von Infrarotspektroskopie und künstlicher Intelligenz die Zusammensetzung von Wein anhand eines einzigen Tropfens bestimmen kann. Das berichtete die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS am Samstag.
TASS zufolge wurde das Projekt von Forschenden der Moskauer Staatlichen Universität vorgestellt. Sie beschrieben es als schnelles Analyseverfahren, mit dem sich wichtige Eigenschaften von Wein bestimmen lassen, ohne auf die längeren Abläufe zurückgreifen zu müssen, die bei Labortests häufig zum Einsatz kommen. Das System wertet ein zuvor von der Probe aufgenommenes Spektrum aus. Den Entwicklern zufolge liefert es innerhalb von weniger als einer Minute ein Ergebnis.
Dem Bericht zufolge erfasst das Verfahren mithilfe der Infrarotspektroskopie Daten aus dem Wein und wertet das Signal anschließend mit KI-Tools aus. Das Modell könne anhand dieser Messung eines einzelnen Tropfens fünf Bestandteile des Getränks bestimmen, erklärten die Forschenden. Welche fünf Bestandteile gemeint sind, ging aus der von TASS veröffentlichten Zusammenfassung nicht hervor. Der Bericht erklärte jedoch, das System sei darauf ausgelegt, die Zusammensetzung der Probe schnell zu bestimmen.
Die Arbeit steht für das Bestreben, chemische Analysen schneller und auch außerhalb hoch spezialisierter Labore leichter anwendbar zu machen. Infrarotspektroskopie kommt bereits in vielen Branchen zum Einsatz, da sie chemische Muster erkennen kann, ohne die Probe zu zerstören. KI kann dabei helfen, ein komplexes Spektrum in praxisnahe Messwerte zu übersetzen, die für Erzeuger, Techniker oder Forschende leichter nutzbar sind.
Sollte sich das Verfahren in umfassenderen Tests als zuverlässig erweisen, könnte es für die Getränkeindustrie von Bedeutung sein – insbesondere für Weinproduzenten, die während der Herstellung und Lagerung regelmäßig die Zusammensetzung prüfen müssen. Ein schnelleres System, das nur eine sehr kleine Probe benötigt, könnte möglicherweise die Kosten für Software und Tests senken und Weingütern helfen, routinemäßige Kontrollen in kürzerer Zeit durchzuführen.
Nützlich könnte das etwa dort sein, wo Erzeuger schnell Informationen über die gleichbleibende Qualität von Charge zu Charge benötigen oder mögliche Abweichungen erkennen möchten, bevor ein Produkt in der Herstellung weiterverarbeitet wird. Ein solches Tempo könnte in der Praxis auch kleineren Betrieben zugutekommen, die nicht in gleichem Maße wie große Industrieproduzenten auf eine umfassende Laborausstattung zugreifen können.
Dem Bericht zufolge positionieren die Entwickler das Instrument als Express-Analyse und nicht als Ersatz für sämtliche Arten von Labortests. Für detaillierte Zertifizierungen, behördliche Kontrollen und die Klärung von Streitfällen in der Weinproduktion können weiterhin herkömmliche Labormethoden erforderlich sein. Ein System, das die Zusammensetzung anhand eines Tropfens in weniger als einer Minute schätzt, könnte jedoch als erste Vorprüfung oder zur routinemäßigen Überwachung dienen.
TASS nannte in dem vorliegenden Material keine detaillierten Leistungsdaten, etwa zur Genauigkeit des Modells, zum Umfang der für das Training verwendeten Datensätze oder zum Vergleich mit bestehenden kommerziellen Systemen. Diese Angaben werden wichtig sein, um beurteilen zu können, ob die Technologie aus der Forschung in den regelmäßigen Einsatz bei Erzeugern, Händlern oder Qualitätskontrolllaboren übergehen kann.
Die Arbeit des russischen Teams fügt sich in einen breiteren Trend in der Lebensmittel- und Getränkeforschung ein: Spektroskopie und maschinelles Lernen werden kombiniert, um Analysen zu beschleunigen und dabei weniger Probenmaterial zu benötigen. Bei Wein könnte dieser Ansatz Erzeugern eine schnellere Möglichkeit bieten, die Zusammensetzung mit minimaler Probenmenge zu prüfen. Zugleich untersuchen Forschende weiter, wie zuverlässig das System unter realen Produktionsbedingungen arbeitet.