Italien bündelt fünf Pilgerwege rund um Rom

25.05.2026

Das Projekt soll Besucher über überfüllte Sehenswürdigkeiten hinaus lenken – durch historische Wanderwege, digitale Angebote und lokales Erbe in Latium.

Italien arbeitet daran, fünf historische Pilgerwege zu einem einheitlichen Tourismus- und Kultursystem mit Schwerpunkt auf Latium und Rom zusammenzuführen. Ziel ist es, die Besucherströme über die bekanntesten Orte des Landes hinaus zu verteilen und Reisen zu Fuß, religiös motivierte Reisen und das lokale Erbe stärker zu fördern.

Das Projekt mit dem Namen Antichi Cammini d’Italia vereint die Via Francigena, den Weg des heiligen Franziskus, den Weg des heiligen Benedikt, die Romea Strata und die Via Romea Germanica. Die Routen durchqueren verschiedene Teile Italiens, laufen in Latium jedoch zusammen. Dort sehen die Organisatoren die Region als erlebnisorientierten Kern der Initiative – von Tuscia in der Provinz Viterbo über das Heilige Tal von Rieti und das Aniene-Tal bis nach Rom.

Drei der fünf Routen sind bereits als Kulturwege des Europarats zertifiziert: die Via Francigena seit 1994, die Via Romea Germanica seit 2020 und die Romea Strata seit dem 17. Juni 2025. Die beiden anderen, die mit dem spirituellen Erbe des heiligen Franziskus und des heiligen Benedikt verbunden sind, führen Reisende an Orte von zentraler Bedeutung für die franziskanische und benediktinische Geschichte, darunter Rieti, Subiaco und Montecassino.

Nach Angaben der Verantwortlichen soll das Projekt auf einen Wandel im Reiseverhalten reagieren: hin zu langsameren, authentischeren und nachhaltigeren Reisen. Zugleich soll es den Druck auf überfüllte Destinationen mindern, indem Besucher in weniger bekannte Gebiete gelenkt und Reisen außerhalb der Hauptsaison gefördert werden. Zur Zielgruppe zählen Pilger, Wanderer, Kulturreisende, Outdoor-Enthusiasten, Wellness-Suchende, Familien und Besucher, die den engeren Kontakt mit lokalen Gemeinschaften suchen.

Ein zentraler Bestandteil der Initiative ist eine digitale Ebene rund um Italiens nationale Tourismusplattform Italia.it. Entlang der fünf Routen stehen 60 Smart-Geräte bereit, die kostenloses WLAN sowie Bluetooth-Low-Energy-Beacon-Technologie bieten und mit der App verknüpft sind. Sobald Reisende in Reichweite kommen, erhalten sie Push-Benachrichtigungen mit Informationen zur Route, geolokalisierten Karten, Sehenswürdigkeiten sowie multimedialen Inhalten zu historischen, künstlerischen, religiösen und landschaftlichen Orten in der Umgebung.

Im Rahmen des Projekts wurden außerdem mehr als 1.000 Informationsblätter zu Kirchen, Denkmälern, Naturgebieten, Plätzen, Brunnen und anderen Sehenswürdigkeiten entlang der Routen erstellt. Nach Angaben der Organisatoren gehören mehr als 40 % dieser Orte zu hochwertigem Kulturerbe, das bislang noch nicht breit in internationale Tourismusangebote eingebunden ist.

Um Teile des Projekts einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, wurden für Latium sieben Busrouten entwickelt. Fünf davon folgen Abschnitten der Via Francigena, des Wegs des heiligen Franziskus, des Wegs des heiligen Benedikt, der Romea Strata und der Via Romea Germanica in der Region. Zwei weitere konzentrieren sich auf Rom selbst: Roma Futura zeichnet Architektur des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart von Zaha Hadid bis Renzo Piano nach, darunter Foro Italico, EUR und Fuksas’ Nuvola; Chiese del Terzo Millennio stellt neue Sakralarchitektur in der Hauptstadt vor.

Die Bustouren sind nach Registrierung auf Italia.it kostenlos und umfassen an Bord Sinneserlebnisse, Erzählformate mit Darstellern, Verkostungen lokaler Produkte sowie ein Geschenk für jeden Teilnehmer. Das Programm richtet sich nicht nur an Tourismusfachleute, sondern an ein breiteres Publikum.

Die Vermarktung läuft in Italien und im Ausland mit dem Ziel, das Land stärker in den Märkten für langsamen, kulturellen und nachhaltigen Tourismus zu positionieren. Zu den Zielländern zählen Argentinien und weitere Teile Lateinamerikas sowie Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Großbritannien, Spanien, die Schweiz und die Vereinigten Staaten.

Zur Kampagne gehören Pressereisen für italienische und internationale Journalisten, damit sie Abschnitte in Latium aus erster Hand erleben können. Hinzu kommen Influencer-Kampagnen in den Zielmärkten sowie eine Mischung aus digitalen und gedruckten Materialien auf mehreren Plattformen. Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Union über Next Generation EU im Rahmen des italienischen Nationalen Aufbau- und Resilienzplans.