04.05.2026
Deutschland setzt 2026 auf eine neue Form des Tourismus, die auf Nachhaltigkeit, Technologie und lokaler Kultur basiert, während das Land Besucher über sein vertrautes Image von Bierhallen, Schlössern und Museen hinaus anziehen will. Reiseveranstalter, regionale Verantwortliche und Eventorganisatoren werben mit einer Mischung aus urbanem Design, Outdoor-Erlebnissen und kulinarischen Traditionen, die einen breiteren Wandel darin widerspiegeln, wie die Deutschen selbst reisen und Geld ausgeben.
Der Wandel zeigt sich auch darin, wie Reiseziele vermarktet werden. Städte wie Berlin, Hamburg, München, Weimar und Dessau verbinden große Kulturveranstaltungen mit umweltfreundlicher Mobilität, mehr Bahnreisen und Erlebnissen, bei denen das Eintauchen in Ort und Atmosphäre wichtiger ist als klassisches Sightseeing. Geworben wird nicht nur um ausländische Gäste, sondern auch um inländische Reisende, die zunehmend kürzere Trips innerhalb Deutschlands wählen, um überlaufene Hotspots zu meiden und ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern.
Dieser Wandel vollzieht sich vor dem Hintergrund, dass deutsche Reisende weiterhin zu den größten Ausgabenträgern im Ausland zählen. Branchenprognosen für 2026 beziffern die gesamten deutschen Reiseausgaben auf rund 86 Milliarden Euro, ein Plus von 3% gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Reisenden dürfte bei etwa 138 Millionen liegen und damit leicht unter früheren Höchstständen, da die Haushalte angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Spannungen vorsichtig bleiben. Zu den beliebtesten Auslandszielen zählen weiterhin die Türkei, Spanien, Italien, Ägypten und Tunesien.
Im Inland geht der Trend zu dem, was Tourismusmarketing als zweckorientiertes Reisen beschreibt. Immer mehr Deutsche reisen allein, mit generationsübergreifenden Familiengruppen oder mit Haustieren. Besonders beliebt bleiben Roadtrips; viele Reisende bevorzugen die Flexibilität des Autofahrens gegenüber dem Fliegen. Auch naturorientiertes Reisen gewinnt an Bedeutung. Mehr als 34% der Touristen geben inzwischen an, dass sie Naturlandschaften gegenüber urbanen Umgebungen priorisieren, wie Branchenzahlen zeigen, auf die Tourismuswerber verweisen.
Diese Präferenz hat das Interesse an ruhigeren Aktivitäten wie Vogelbeobachtung, Angeln und Wildkräutersammeln im Schwarzwald und in den Bayerischen Alpen beflügelt. Zugleich hat sie regenerative Tourismusprojekte gestärkt, die Besucher nicht nur dazu anhalten, Schaden zu vermeiden, sondern einen Ort durch Naturschutzarbeit oder ehrenamtliches Engagement vor Ort besser zu hinterlassen, als sie ihn vorgefunden haben.
Deutschlands Bahnnetz und die wachsende Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge sind zu zentralen Bausteinen dieser Botschaft geworden. Der Inlandstourismus bleibt robust, und viele Regionen versuchen, Besucher von überfüllten Zentren in weniger bekannte Städte und ländliche Gebiete zu lenken. In der Sprache mancher regionaler Kampagnen präsentiert sich das Land als „neo-grün“: stark vernetzt und zugleich verwurzelt in Wäldern, Flüssen und fußläufig erschlossenen historischen Zentren.
Die gleiche Mischung aus Alt und Neu prägt in diesem Jahr auch den Kulturkalender Deutschlands. In Berlin findet vom 22. bis 25. Mai der Karneval der Kulturen statt; er zählt weiterhin zu den größten Festivals Europas zur Feier von Vielfalt. Im Juni eröffnet der Hamburger Bahnhof sein Outdoor-Programm mit zeitgenössischen Kunstinstallationen, die auf Bewegung im öffentlichen Raum reagieren sollen. Ebenfalls im Juni verwandelt die Kieler Woche vom 20. bis 28. Juni die norddeutsche Hafenstadt in ein großes maritimes Festival mit Segelregatten, Konzerten und Essensständen rund um Nordseefisch.
Die Berliner Parade Rave The Planet kehrt am 15. August als politisches und kulturelles Fest der Technomusik zurück; nach Angaben der Organisatoren führt sie das Erbe der Love Parade fort. Zusätzliche Bedeutung erhält das Ereignis dadurch, dass Techno von der UNESCO als Teil des deutschen Kulturerbes anerkannt wurde.
Zu den weiteren großen Sommerveranstaltungen zählen das Tollwood Sommerfestival in München vom 18. Juni bis 19. Juli im Olympiapark; Rhein in Flammen an mehreren Terminen im Sommer entlang des Rheins; Rock im Park in Nürnberg vom 5. bis 7. Juni; Splash! Festival in Gräfenhainichen vom 2. bis 4. Juli auf Ferropolis; Wacken Open Air vom 29. Juli bis 1. August in Schleswig-Holstein; sowie das Reeperbahn Festival in Hamburg vom 16. bis 19. September.
Tourismusverantwortliche heben zudem landschaftlich reizvolle Erlebnisse hervor wie Abendfahrten durch die Speicherstadt in Hamburg oder Wanderungen rund um die Bastei-Felsformationen in Sachsens Elbsandsteingebirge. In Weimar und Dessau ziehen Bauhaus-Routen im Zuge eines breiteren Interesses an minimalistischem Design und moderner Architektur erneut Aufmerksamkeit auf sich.
Auch beim Essen erfindet sich Deutschland neu. Zwar bleiben Würstchen und Brezeln zentral für das nationale Image, doch Köche im ganzen Land setzen stärker auf saisonale Produkte, regionale Herkunft und leichtere Küche. In Städten wie München und Hamburg haben sich einige Michelin-Sterne-Küchen stärker Gemüse zugewandt, das auf Dächern oder auf nahe gelegenen Höfen angebaut wird.
Der Farm-to-Table-Ansatz ist sowohl in der gehobenen Gastronomie als auch in legeren Restaurants verbreiteter geworden. Auch Street Food hat sich weiterentwickelt. Der Döner Kebab, lange mit Berlins Fast-Food-Kultur verbunden, wird von einigen Anbietern inzwischen in höherwertigen Varianten mit regional bezogenem Fleisch oder vegetarischen Füllungen neu interpretiert. In manchen Städten hat er die Currywurst als beliebteste schnelle Mahlzeit überholt.
Der Frühling bleibt Spargelzeit: Dann steht weißer Spargel bundesweit mit Sauce hollandaise und Schinken auf den Speisekarten. Auch traditionelle Gerichte wie Schnitzel, Rouladen und Maultaschen bleiben feste Größen auf den Menüs. Schnitzel wird zunehmend mit leichteren Beilagen wie Gurken-Dill-Salat statt Pommes serviert. Rouladen bleibt ein langsam geschmortes Wohlfühlgericht aus Rindfleischrollen mit Senf, Zwiebeln und Gewürzgurken. Maultaschen, eine mit Schwaben verbundene gefüllte Teigware, wird weiterhin entweder in Brühe oder angebraten mit Zwiebeln und Ei serviert.
Auch regionale Street-Food-Klassiker bleiben wichtig: Fischbrötchen in Hamburg und Kiel; Flammkuchen in Baden-Württemberg; sowie modernisierte Varianten der Currywurst an traditionsreichen Ständen wie Konnopke’s Imbiss in Berlin.
Auch sonntags nachmittags spielen Desserts weiterhin eine Rolle. Die Schwarzwälder Kirschtorte bleibt einer der bekanntesten Kuchen Deutschlands; Käsekuchen wird weiterhin mit Quark statt Frischkäse zubereitet; und Apfelstrudel wird nach wie vor warm mit Vanillesauce serviert.
Bier bleibt trotz sinkenden Konsums zentral für die deutsche Esskultur. Der durchschnittliche Bierverbrauch ist von rund 131 Litern pro Person im Jahr 1995 auf etwa 81,6 Liter gesunken – ein Rückgang von fast 40% binnen drei Jahrzehnten. In Bayern ist Helles weiterhin besonders gefragt, während im Norden eher Pils getrunken wird. Craft-Brauereien haben sich in Städten wie Berlin und Leipzig ausgebreitet; dort experimentieren Brauer mit Fruchtaromen und älteren Gärverfahren wie Gose.
Auch Wein findet neue Zielgruppen. Riesling-Erzeuger entlang der Mosel sprechen jüngere Konsumenten mit „Wine Raves“ an – Veranstaltungen, die Verkostungen mit elektronischer Musik zwischen den Weinbergen verbinden.
Für Deutschlands Tourismusbranche ist das Ziel in diesem Jahr klar: ein Land zu präsentieren, das morgens Wälder, nachmittags Designmuseen und abends anspruchsvolle Küche bieten kann – ohne Nachhaltigkeit oder lokale Identität aus dem Blick zu verlieren.
Vinetur® wurde 2007 gegründet und ist eine eingetragene Marke von VGSC S.L. mit einer langen Geschichte im Weinsektor.
VGSC, S.L. ist ein im Handelsregister von Santiago de Compostela, Spanien, eingetragenes Unternehmen.
E-Mail: info@vinetur.com | Tel: +34 986 077 611
Hauptsitz und Büros in Vilagarcia de Arousa, Galicien