Europäisches Parlament fordert höheres Agrarbudget

28.04.2026

Abgeordnete schlagen 385 Milliarden Euro für die Landwirtschaft im nächsten EU-Haushalt vor und wehren sich gegen Kürzungen zugunsten von Pandemie-Schuldenrückzahlungen

Das Europäische Parlament hat am Dienstag ein höheres Budget für die Gemeinsame Agrarpolitik im nächsten langfristigen Ausgabenplan der Europäischen Union gefordert und 385 Milliarden Euro für die Unterstützung der Landwirtschaft vorgeschlagen – deutlich mehr als die von der Europäischen Kommission veranschlagten 261 Milliarden Euro. Damit wollen die Abgeordneten Landwirtschaft und Regionalförderung vor Kürzungen schützen, die mit der wachsenden Schuldenlast des Blocks verbunden sind.

In einer Resolution, mit der das Parlament seine Verhandlungsposition zum Haushalt 2028-2034 festlegt, forderte es die Europäische Union zudem auf, „soweit möglich“ Refinanzierungsoptionen für Schulden aus dem Wiederaufbaufonds nach der Pandemie zu prüfen, einschließlich einer Verlängerung der Rückzahlungsfristen, um den Druck auf künftige Haushalte zu verringern. Der Text betont, dass der Block rechtlich verpflichtet und politisch verantwortlich sei, seine Schulden fristgerecht zurückzuzahlen, fügt aber hinzu, dass diese Rückzahlungen umsichtig und flexibel gehandhabt werden sollten.

Das Thema ist in Brüssel zu einem zentralen Streitpunkt geworden, weil die Rückzahlung des Wiederaufbaufonds gemäß der 2020 erzielten Vereinbarung 2028 beginnt und bis 2056 läuft. Nach Schätzungen von Beamten würden unter dem derzeitigen Rahmen jährlich rund 24 Milliarden Euro für den Schuldendienst benötigt – Geld, das andernfalls für Programme aus dem nächsten Mehrjahreshaushalt zur Verfügung stünde.

Die Position des Parlaments spiegelt einen breiteren Streit darüber wider, wie die Prioritäten der Europäischen Union finanziert werden sollen, ohne traditionelle Ausgaben zu kürzen. Die Kommission hat fünf neue Einnahmequellen vorgeschlagen, darunter Abgaben auf Tabak, nicht eingezogenen Elektroschrott, große Unternehmen sowie Teile der Einnahmen aus dem Emissionshandel und dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus des Blocks. Diese Ideen benötigen jedoch die einstimmige Zustimmung der 27 Mitgliedstaaten, und die Gräben bleiben tief.

Das hat einige Regierungschefs dazu veranlasst, stattdessen eine Streckung der Rückzahlungsfristen zu fordern. Der französische Präsident Emmanuel Macron kritisierte jüngst die schnelle Tilgung der Schulden und sagte, es wäre besser, die Laufzeiten zu verlängern oder sogar weitere Schulden aufzunehmen. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis unterstützte diese Sicht in einer Rede in Athen. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte bereits 2020 eine ähnliche Idee ins Spiel gebracht, als er vorschlug, Pandemie-Anleihen unbefristet auszugestalten.

Diese Positionen stehen im Widerspruch zu fiskalisch konservativen Regierungen wie Deutschland, den Niederlanden und mehreren nordischen Ländern, die neue gemeinsame Schulden ablehnen und höhere nationale Beiträge zurückweisen. Stattdessen befürworten sie Kürzungen bei älteren Ausgabenposten wie Landwirtschaft und Kohäsionspolitik.

Das Parlament will diese Programme schützen. Die Abgeordneten drängen darauf, dass der siebenjährige EU-Haushalt in Höhe von 1,78 Billionen Euro zu Preisen von 2025 vollständig in die Programmausstattung fließt und nicht für die Schuldentilgung verwendet wird. Das entspräche laut Resolution einem Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorschlag der Kommission.

Nach diesem Plan würde die Kohäsionsförderung auf 274 Milliarden Euro steigen, während die Mittel für den neuen Wettbewerbsfonds von 207 Milliarden Euro auf 234 Milliarden Euro erhöht würden. Das Parlament erklärte zudem, es wolle die Finanzierung der Landwirtschaft sichern, indem die Mittel für die GAP wieder auf 385 Milliarden Euro angehoben werden.

Da es bei den Einnahmevorschlägen der Kommission nur langsam vorangeht, brachten die Abgeordneten auch andere mögliche Einnahmequellen ins Spiel, darunter Steuern auf Digitalkonzerne, Online-Wetten und Kryptowährungstransaktionen. Die Resolution gibt den Unterhändlern des Parlaments nun ein Mandat für die Gespräche mit den Mitgliedstaaten über einen der umstrittensten Haushaltskonflikte seit Jahren.