Französische Winzergenossenschaften setzen auf Innovation, um dem Klima- und Regulierungsdruck zu begegnen

13.02.2026

Neues Forschungsprojekt zeigt, wie digitale Tools und flexible Governance die Nachhaltigkeit in Frankreichs sich entwickelnder Weinindustrie fördern

Französische Winzergenossenschaften stehen vor neuen Herausforderungen, da der Klimawandel und strengere Umweltvorschriften die Branche umgestalten. Diese Genossenschaften, in denen sich Winzer zusammenschließen, um die Ressourcen für Produktion, Verarbeitung und Vermarktung gemeinsam zu nutzen, spielen eine wichtige Rolle im französischen Weinsektor. Auf sie entfallen 40 % der Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung (AOP) und 70 % der Weine mit geschützter geografischer Angabe (IGP). Ihre kollektive und demokratische Führung, ihre starke lokale Verankerung und ihre soziale Dimension machen sie zu wichtigen Akteuren der nachhaltigen Entwicklung.

In den letzten Jahren mussten sich die Winzergenossenschaften an die veränderten Witterungsbedingungen anpassen, die den Traubenanbau beeinträchtigen. Die frühere Entwicklung der Reben hat das Risiko von Frostschäden erhöht. Wassermangel und längere Dürreperioden haben zu Wasserstress, geringeren Erträgen und Problemen bei der Reifung der Trauben geführt. Gleichzeitig achten die Verbraucher immer mehr darauf, wie ihre Lebensmittel produziert werden, und fordern nachhaltigere Praktiken.

Um besser zu verstehen, wie diese Genossenschaften Innovationen für eine nachhaltigere Zukunft schaffen können, finanziert die französische Nationale Forschungsagentur (ANR) das Projekt INNOGOUV. Unter der Leitung von Louis-Antoine Saïsset, Forscher am Institut Agro Montpellier und am INRAE Occitanie-Montpellier, verfolgt INNOGOUV sowohl einen wissenschaftlichen als auch einen praktischen Ansatz. Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, wie die genossenschaftliche Unternehmensführung technologische und organisatorische Innovationen fördern kann und wie diese Innovationen die Nachhaltigkeitsleistung verbessern können.

Zwischen 2023 und 2024 führte das INNOGOUV-Team 33 ausführliche Interviews mit Mitgliedern verschiedener französischer Winzergenossenschaften. Diese Interviews ergaben ein breites Spektrum an Führungsmodellen, von einfachen bis hin zu komplexen Strukturen. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören die strategische Partnerschaft zwischen Präsidenten und Direktoren, die wichtige Rolle interner Ausschüsse, die zunehmende Beteiligung jüngerer Winzer und die häufige Interaktion mit externen Interessengruppen.

Digitale Innovationen werden im Weinbau immer häufiger eingesetzt. Die Genossenschaften führen Systeme zur Rückverfolgbarkeit, eine detaillierte Kartierung der Parzellen und vernetzte Wetterstationen ein. Die Entscheidungen über diese Technologien reichen von individuellen Entscheidungen der Winzer bis hin zu kollektiven Entscheidungen, die von Genossenschaftsverbänden oder von der Genossenschaft selbst getroffen werden. Zu den Beweggründen für die Einführung neuer Technologien gehören die Einhaltung von Vorschriften, Marktanforderungen, Zeitersparnis und Umweltschutz.

Ein weiterer Bereich der Innovation ist die Auswahl von Rebsorten. Einige Genossenschaften experimentieren mit krankheitsresistenten oder trockenheitstoleranten Sorten, die weniger chemische Behandlungen erfordern. Diese Bemühungen sind zwar noch weitgehend experimentell - vor allem bei Sorten wie Resdur, die gegen Pilzkrankheiten resistent sind -, aber sie gewinnen an Boden. Die Akzeptanz hängt von den Traubenmerkmalen, dem Führungsstil der Genossenschaft sowie von wirtschaftlichen und rechtlichen Faktoren ab. Die Genossenschaften unterstützen diese Veränderungen durch technische Hilfe, Schulungsprogramme, finanzielle Anreize und Überwachung.

INNOGOUV zielt auch darauf ab, praktische Instrumente für Genossenschaftsleiter und -mitglieder bereitzustellen. Neben Interviews werden im Rahmen des Projekts quantitative Indikatoren für nachhaltige Leistungen entwickelt und detaillierte Fallstudien mit Methoden wie der Urbal-Analyse oder der Bewertung des Lebenszyklus von Organisationen durchgeführt. Die Ergebnisse der quantitativen Forschung wurden im Juni 2025 vorgestellt.

INNOGOUV hofft, mit seiner Arbeit den Winzergenossenschaften dabei zu helfen, flexiblere und innovationsfördernde Verwaltungsmodelle einzuführen. Ziel ist es, sie für künftige Herausforderungen zu rüsten und gleichzeitig ihr Engagement für Nachhaltigkeit in der Weinbergsbewirtschaftung und im Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.