Thailändische Börse erwägt Aufhebung des seit 20 Jahren bestehenden Verbots der Börsennotierung von Alkohol inmitten einer sich wandelnden gesellschaftlichen Einstellung

13.01.2026

Eine mögliche Änderung der Politik könnte große Brauereien wie Thai Beverage zu Hause halten, da Thailand die Alkoholvorschriften und das Marktwachstum neu bewertet

Die thailändische Börse (SET) debattiert derzeit darüber, ob ein langjähriges informelles Verbot der Börsennotierung von Unternehmen, die alkoholische Getränke herstellen, aufgehoben werden soll. Die Diskussion findet zu einem Zeitpunkt statt, zu dem die SET-Führung versucht, die Börse zu modernisieren und große thailändische Konzerne davon abzuhalten, sich im Ausland listen zu lassen. Kitipong Urapeepatanapong, der Vorsitzende der SET, hat argumentiert, dass die Zulassung von Alkoholunternehmen zur Börsennotierung die Marktliquidität erhöhen und prominente Unternehmen im Finanzsystem des Landes halten würde.

Seit Jahrzehnten ist die Frage der Börsennotierung von Alkoholunternehmen in Thailand umstritten. Im Jahr 2004 versuchte Thai Beverage, die größte Brauerei und Brennerei des Landes, an der Börse in Bangkok notiert zu werden, stieß jedoch auf den heftigen Widerstand von Anti-Alkohol-Aktivisten und buddhistischen Mönchen. Die Gegenreaktion veranlasste das Unternehmen, seine Pläne aufzugeben und stattdessen eine Notierung in Singapur anzustreben. Ein ähnlicher Versuch im Jahr 2008 wurde nach erneuten Protesten ebenfalls abgebrochen. Die Gegner argumentierten, dass die Börsennotierung solcher Unternehmen den Alkoholkonsum fördern würde, was ihrer Meinung nach im Widerspruch zu buddhistischen Werten und Zielen der öffentlichen Gesundheit steht.

Trotz dieser Bedenken sind SET-Beamte inzwischen der Ansicht, dass sich die gesellschaftliche Einstellung geändert haben könnte. Urapeepatanapong erklärte kürzlich, dass es für Thailand wichtig sei, sich anzupassen, bevor es weitere große Unternehmen an ausländische Börsen verliere. Er nannte Thai Beverage, Boon Rawd Brewery - den größten Bierhersteller des Landes - und die Carabao Group als potenzielle Kandidaten für künftige Börsennotierungen, wenn das Verbot aufgehoben wird.

Der Vorschlag hat unter Finanzanalysten eine Debatte ausgelöst. Kitpon Praipaisarnkit, ein leitender Angestellter bei UOB Kay Hian Securities Thailand, erklärte gegenüber den lokalen Medien, dass die Erweiterung der Investitionsmöglichkeiten zwar positiv für den Markt sei, er aber bezweifle, dass der Sektor der alkoholischen Getränke genügend Wachstumspotenzial biete, um neue Börsennotierungen zu rechtfertigen. Er merkte an, dass große Brauereien möglicherweise keine nennenswerten neuen Finanzmittel für ihre Expansion benötigen und schlug vor, dass sich der SET stattdessen auf wachstumsstarke Branchen konzentrieren sollte.

Die Diskussion über die Börsenpolitik findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Thailand auch andere alkoholbezogene Vorschriften überdenkt. Im Dezember setzte die Regierung die seit 1972 bestehende Beschränkung des Alkoholverkaufs zwischen 14 und 17 Uhr aus. Die sechsmonatige Testphase soll zeigen, wie sich die verlängerten Verkaufszeiten auf den Tourismus, das Verbraucherverhalten und die öffentliche Sicherheit auswirken. Der stellvertretende Premierminister Sophon Saram und der Minister für öffentliche Gesundheit Pattana Promphat kündigten an, dass der Versuch dazu beitragen wird, festzustellen, ob eine Lockerung der Beschränkungen den wirtschaftlichen Aufschwung unterstützen kann, ohne die Gesundheit zu gefährden.

Jüngste Untersuchungen zeigen, dass sich der thailändische Alkoholmarkt parallel zu den Veränderungen in der Gesetzgebung und der gesellschaftlichen Einstellung entwickelt. Laut IWSR, einem Analysten für den globalen Getränkemarkt, schaffen der starke Tourismussektor und das dynamische Gastgewerbe in Thailand neue Möglichkeiten für Getränkemarken. Bier ist nach wie vor sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebt, während der Weinkonsum zunimmt, da die Verbraucher immer mehr Interesse an verschiedenen Optionen zeigen. Weiße Spirituosen wie Tequila, Rum, Wodka und Gin sind in den Cocktailbars des Landes ebenfalls auf dem Vormarsch.

Wenn der SET sein informelles Verbot der Börsennotierung von Alkoholunternehmen aufhebt, könnte dies einen bedeutenden Wandel sowohl für Investoren als auch für die gesamte Getränkeindustrie in Thailand bedeuten. Die Entscheidung würde wahrscheinlich nicht nur inländische Produzenten betreffen, sondern auch internationale Weinimporteure und -händler, die ihre Präsenz in der zweitgrößten Volkswirtschaft Südostasiens ausbauen wollen. Da die politischen Entscheidungsträger die potenziellen Vorteile gegen die Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Gesundheit und der sozialen Werte abwägen, wird der Ausgang dieser Debatte von Wirtschaftsführern und Verbrauchern gleichermaßen aufmerksam verfolgt werden.