Mariana Gil Juncal
Die Welt des Weins ist ein unendlich faszinierendes Reich, in dem jedes Glas als Fenster in ein komplexes Universum von Geschmacksrichtungen und Aromen dient. Das Riechen an einem Wein ist nicht nur eine Vorstufe zur Verkostung, sondern ein integraler Bestandteil des Erlebnisses, der die Aromen verstärkt und Gefühlsebenen freilegt, die die Verkostung allein nicht offenbaren kann. In der Tat ist das menschliche Geruchssystem in der Lage, etwa 400 der 6.000 im Wein vorhandenen Verbindungen zu erkennen, was eine sensorische Tiefe bietet, die vom Geschmack allein nicht erreicht wird.
Das Verstehen und Identifizieren dieser Aromen ist jedoch keine angeborene Fähigkeit, sondern erfordert Übung und Geduld. Um die Erforschung der Aromen zu erleichtern, werden Weinaromen häufig in Familien eingeteilt, die jeweils eine Gruppe von Düften mit gemeinsamen Merkmalen darstellen. Diese Kategorisierung hilft bei der Identifizierung der primären Düfte in Weinen, zumal einfache chemische Verbindungen in der Regel zuerst erkannt werden.
Bei Weißweinen zum Beispiel spielen Fruchtaromen eine dominante Rolle. Düfte, die an Banane, Melone, Ananas, Zitrone, Apfel und Pfirsich erinnern, sind weit verbreitet. Rotweine hingegen nehmen uns oft mit auf eine aromatische Reise voller roter Beeren wie Kirschen und Pflaumen, können aber auch pflanzliche Aromen von Blumen, Trieben, Blättern oder Gras aufweisen.
Um etwas Ordnung in die scheinbar endlose Liste der möglichen Weinaromen zu bringen, haben Experten sie in zehn verschiedene Familien eingeteilt. Dazu gehören:
Diese Aromen treten typischerweise mit der Reifung bestimmter Weine auf und äußern sich in Noten von Wild und Fleisch.
Diese Familie umfasst Düfte von feinem Harz und anderen ätherischen Ölen. Häufige balsamische Aromen in Weinen sind Rauch, Kiefer, Vanille, Eukalyptus, Tabak, Kakao, Kaffee, Tinte und Leder.
Diese Aromen stammen von den Tanninen oder Derivaten des Holzes, das für die Reifung von Weinen verwendet wird, und können Zedernholz, Eiche, Weißholz und Kirsche umfassen.
Diese Aromen stammen hauptsächlich von Schwefel, schwefelhaltigen Verbindungen oder Essigsäure im Wein.
Ester entstehen während der Gärung durch die Kombination von Säuren und Alkoholen und erzeugen fruchtige Aromen wie Apfel, Banane oder Himbeere.
Die Welt der Gewürze im Wein ist groß und umfasst Düfte wie Nelke, Zimt, Pfeffer, Vanille, Senf, Paprika, Thymian, Muskatnuss, Wacholder und Kardamom.
Diese Aromen umfassen verbrannte, geräucherte, gekochte oder teerartige Düfte.
Während viele ein allgemeines Blumenbouquet erkennen können, können Menschen mit geschulten Geruchssinnen bestimmte Blumen wie Rose, Jasmin, Orangenblüte, Geranie oder Veilchen unterscheiden.
Neben der Traube ist das Spektrum der Fruchtaromen eines Weins breit gefächert und reicht von weißen Früchten wie Apfel, Birne, Zitrone, Limette, Orange, Ananas, Mango und Banane bis hin zu roten oder schwarzen Früchten wie schwarze Johannisbeere, Kirsche, Erdbeere, rote Johannisbeere, Heidelbeere, Brombeere oder Pflaume. Je nach Reifegrad der Früchte können diese Aromen an frisches, gekochtes oder kandiertes Obst erinnern.
Diese "grünen" Aromen verleihen dem Wein Frische und können an ein Kräuterfeld, einen Strauß grüner Blätter, eine Tomatenpflanze oder an Teeblätter erinnern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Geruchserlebnis von Wein so reichhaltig und vielfältig ist wie das Getränk selbst. Indem sie diese zehn Aromafamilien verstehen und erkennen, können Weinliebhaber ihre Wertschätzung und ihren Genuss dieses zeitlosen Getränks vertiefen.
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