Italienische Sammlerweine führten den Markt für Spitzenweine bis September an
Daten von Liv-ex zufolge stiegen die maßgeblichen Preise erneut. Bordeaux blieb der einzige große Index, der im Jahresverlauf im Minus lag.
Donnerstag, 8. Oktober 2026

Der internationale Sekundärmarkt für sammelwürdige Spitzenweine legte bis September erneut zu. Italien und die Champagne gaben das Tempo vor, während Bordeaux hinter der breiteren Erholung zurückblieb. Das geht aus den von Liv-ex veröffentlichten Preisindizes hervor.
Der maßgebliche Liv-ex 100, der häufig gehandelte Weine in Anlagequalität abbildet, stieg von Januar bis September um 2,1 Prozent und lag 4,4 Prozent über dem Stand vor zwölf Monaten. Der breiter gefasste Liv-ex 1000, der mehr Regionen und Stilrichtungen umfasst, legte in den ersten neun Monaten des Jahres um 1,3 Prozent und im Jahresvergleich um 2,2 Prozent zu.
Die Zahlen deuten auf eine Stabilisierung des Marktes nach einer Phase der Anpassung bei Anlageweinen hin. Zugleich zeichnet sich ein Wechsel an der Spitze des Sektors ab. Bordeaux gab dem Handel mit Spitzenweinen jahrelang häufig die Richtung vor. Die jüngsten Daten zeigen nun stärkere Impulse aus Italien und der Champagne.
Italien erzielte unter den Liv-ex-Teilindizes die beste Jahresperformance. Der Italy 100 gewann zwischen Januar und September 3,5 Prozent und legte über zwölf Monate um 4,9 Prozent zu. Auch die Champagne verzeichnete ein starkes Ergebnis. Der Champagne 50 stieg in den ersten neun Monaten des Jahres um 4,1 Prozent und lag 4,6 Prozent über dem Stand zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Bordeaux blieb in den Daten für 2026 die schwächste große Kategorie, der Rückgang fiel jedoch gering aus. Der Bordeaux 500 war der einzige Index, der seit Jahresbeginn noch im Minus lag: Bis September sank er um 0,2 Prozent. Im Zwölfmonatsvergleich stand er dennoch 0,4 Prozent höher. Das deutet darauf hin, dass sich die Preise auch in diesem Segment nach dem vorherigen Druck stabilisiert haben.
Die stärksten Einzelbewegungen verzeichnete eine kleine Gruppe besonders begehrter Flaschen, größtenteils aus Italien. Giacosa Barolo Falletto Vigna Le Rocche Riserva 2016 legte um 31,7 Prozent zu und verbuchte damit den größten Anstieg unter den Weinen, die in den jüngsten Daten hervorgehoben wurden. Conterno Monfortino 2019 stieg um 19,4 Prozent, Soldera 2020 gewann 18,7 Prozent und Solaia 2021 legte um 14,1 Prozent zu.
Diese Zuwächse unterstreichen, wie selektiv der Markt weiterhin ist. Der von Liv-ex erfasste Sekundärmarkt bildet den Handel mit knappen, hochpreisigen Flaschen ab, die zwischen Händlern, Sammlern und Investoren den Besitzer wechseln. Er misst weder die Verkäufe der Weingüter noch die Nachfrage im Einzelhandel oder den Weinkonsum insgesamt. Auch die Nettorenditen nach Provisionen, Steuern, Versicherung und Lagerkosten werden nicht ausgewiesen. Diese Kosten können die Gewinne von Käufern und Verkäufern erheblich schmälern.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn die Preisindizes decken nur einen kleinen Ausschnitt des Weinhandels ab. Selbst wenn die maßgeblichen Preise steigen, kann dieser Anstieg von einer begrenzten Zahl an Marken mit hoher Bekanntheit und geringer Produktionsmenge getragen werden. Die aktuelle Erholung sagt daher mehr über die Entwicklung im Sammlersegment des Marktes aus als über den Zustand des Weinsektors insgesamt.
Dennoch sind die jüngsten Ergebnisse bemerkenswert, denn sie legen nahe, dass Käufer nach der jüngsten Korrektur der Preise für Spitzenweine wieder Regionen und Stilrichtungen mit größerer Preissetzungsmacht bevorzugen. Italiens führende Rolle spiegelt die anhaltende Nachfrage nach renommierten Namen aus dem Piemont und der Toskana wider. Die Zuwächse der Champagne verweisen auf die Widerstandsfähigkeit ihrer Prestigeweine in einer Kategorie, die häufig von der weltweiten Luxusnachfrage und einem knapperen Angebot profitiert hat.
Das schwächere Ergebnis von Bordeaux bedeutet nicht, dass die Region kein Interesse mehr auf sich zieht. Vielmehr deutet es darauf hin, dass die Erholung langsamer verläuft als bei den Wettbewerbern. Bordeaux bleibt für den Handel mit Spitzenweinen zentral, doch die jüngsten Liv-ex-Daten zeigen, dass sich die Preisdynamik zumindest vorerst zu italienischen Weinen und der Champagne verlagert hat.
Die Daten bilden die Preisveränderungen bis September 2026 auf dem internationalen Sekundärmarkt für sammelwürdige Weine ab. Liv-ex meldete ausschließlich prozentuale Veränderungen und wies keine Dollar- oder Eurobeträge für die Indexbewegungen aus. Trotz dieser Einschränkung liefern die Zahlen in diesem Jahr einen der deutlichsten Hinweise darauf, dass der Markt für gehandelte Spitzenweine wieder wächst – angeführt von Kategorien, die nicht immer zu den traditionellen Wachstumstreibern des Sektors gehörten.