Burgunds Exporte erreichen 100,2 Millionen Flaschen, der Umsatz sinkt jedoch um 2,4 Prozent
Die schwächere Rotweinnachfrage, angeführt von einem Rückgang der US-Verkäufe um 21,2 Prozent, verschob Burgunds Absatz hin zu Lieferungen mit geringerem Wert.
Donnerstag, 8. Oktober 2026

Burgunds Weinexporte legten in den zwölf Monaten bis Juli 2026 mengenmäßig zu, verloren jedoch an Wert. Gründe waren die schwächere Nachfrage nach Rotwein und die zunehmende Verschiebung hin zu Crémant, die den Absatzmix der Region veränderten.
Den auf Daten des Comité des Vins de Bourgogne beruhenden Zahlen zufolge exportierte Burgund in diesem Zeitraum mehr als 100,2 Millionen Flaschen à 750 ml – 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Exportwert sank hingegen um 2,4 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein rechnerischer durchschnittlicher Wert je Flasche, der um rund 4,6 Prozent zurückging. Diese Berechnung ist jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da die zugängliche Quelle sekundär ist und keinen direkten Durchschnittspreis ausweist. Die Veränderung kann mehrere Faktoren zugleich widerspiegeln, darunter Preise, Absatzmärkte, Jahrgänge und den Mix der verkauften Appellationen.
Die auseinanderlaufende Entwicklung von Exportmenge und Exportwert fiel mit einer deutlichen Verschiebung innerhalb des Gesamtmarkts von Burgund zusammen. Der Absatz stiller Weine sank um 1,3 Prozent auf 166 Millionen Flaschen – ein Minus von rund 2,2 Millionen Flaschen. Einschließlich Crémant de Bourgogne blieb der Gesamtabsatz nahezu unverändert und stieg lediglich um 0,05 Prozent auf knapp 200 Millionen Flaschen. Die annähernde Stabilität der Gesamtzahl verdeckte eine deutlichere Verschiebung: Schaumwein gewann an Bedeutung, während Rotwein schwächelte.
Am deutlichsten fiel der Rückgang bei Rotwein aus. Burgunds Rotweinabsatz sank im Berichtszeitraum um 4,9 Prozent. Innerhalb dieser Kategorie ging der Absatz roter Grand Crus von der Côte-d’Or um 12 Prozent zurück. Damit geriet nicht nur das Rotweinsortiment insgesamt, sondern auch dessen Spitzensegment unter Druck. Weißwein entwickelte sich leicht positiv: Der Absatz stieg um 0,4 Prozent auf 116 Millionen Flaschen.
Das stärkste Wachstum verzeichnete Crémant. Der Absatz von Burgunds Schaumwein legte um 6,5 Prozent zu, sein Marktanteil stieg auf 17 Prozent – gegenüber 12 Prozent im Jahr 2021. Dieser Zuwachs um fünf Prozentpunkte binnen fünf Jahren zeigt, wie stark die jüngste Stabilität der Region auf Schaumwein statt auf ihre traditionellen Rotweine zurückgeht.
Die Daten deuten darauf hin, dass Burgund vor derselben strukturellen Herausforderung steht wie andere Weinregionen: Die Nachfrage nach Rotwein lässt nach, während andere Weinstile widerstandsfähiger sind. In Burgund hat der Zuwachs bei Crémant den Rückgang bei stillen Rotweinen teilweise ausgeglichen und so dazu beigetragen, den Gesamtabsatz annähernd stabil zu halten. Die Exportzahlen zeigen jedoch, dass mehr ins Ausland versandte Flaschen nicht zu höheren Erlösen führten.
Die Vereinigten Staaten, seit Langem ein entscheidender Markt für Burgund, trugen maßgeblich zum niedrigeren Exportwert bei. Der Wert der Verkäufe in die USA sank in den zwölf Monaten bis Juli um 21,2 Prozent auf 292,4 Millionen Euro. Dieser Rückgang belastete die Exportbilanz der Region erheblich, obwohl die Lieferungen in andere Länder zunahmen. Die USA blieben einer der größten Auslandsmärkte Burgunds, doch der Einbruch stach im Vergleich zu den Ergebnissen anderer Länder deutlich hervor.
Im Vereinigten Königreich ging die Entwicklung in die andere Richtung, allerdings mit geringerem Tempo. Der Exportwert auf dem britischen Markt stieg um 3 Prozent auf 243,37 Millionen Euro. Italien verzeichnete ein noch kräftigeres Wachstum: Der Exportwert legte um 21,1 Prozent zu, das Exportvolumen um 15,4 Prozent. Diese Zuwächse milderten die Folgen des Rückgangs in den USA, konnten ihn auf globaler Ebene aber nicht vollständig ausgleichen.
Der Gegensatz zwischen den USA und Europa weist auf eine Veränderung der Exportmärkte Burgunds hin. Ein starker Rückgang in einem großen Markt mit hohem Warenwert kann die gesamten Exporterlöse drücken, selbst wenn die Lieferungen insgesamt steigen und andere Länder mehr Wein kaufen. Das erklärt mit, warum Burgund mehr als 100 Millionen Flaschen exportieren und den Berichtszeitraum dennoch mit einem niedrigeren Gesamtwert abschließen konnte.
Auch die Bestandsdaten zeigen, dass der Druck die einzelnen Kategorien unterschiedlich trifft. Die Gesamtbestände sanken im Berichtszeitraum um 2,3 Prozent. Die Weißweinbestände entsprachen etwas mehr als einem Jahresabsatz, die Rotweinbestände nahezu zwei Jahresabsätzen. Dieser Abstand ist ein weiteres Zeichen für den langsameren Umschlag bei Rotwein und die vergleichsweise robustere Nachfrage nach Weißwein.
Niedrigere Gesamtbestände könnten die Preise normalerweise stützen. Die Zahlen aus Burgund legen jedoch nahe, dass der Produktmix wichtiger ist als die Bestandsentwicklung allein. Wenn sich Rotweine – insbesondere höherwertige Rotweine – langsamer verkaufen, während Crémant und Weißweine sich besser behaupten, kann der Wert der Gesamtexporte trotz knapperer Bestände und höherer Ausfuhren sinken.
Die Daten erfassen Absatz, Exporte und Bestände Burgunds in den zwölf Monaten bis Juli 2026. Die Entwicklung der Region in diesem Zeitraum wurde von drei gleichzeitigen Trends geprägt: einem Rückgang bei Rotwein, anhaltendem Wachstum bei Schaumwein und einer gegenläufigen Entwicklung von Exportvolumen und Exportwert. Für Erzeuger und Händler ist dieser Mix relevant, weil er sich je nach Appellation und Weinstil unterschiedlich auf Erlöse, Bestandsmanagement und Marktstrategie auswirkt.
Der Rückgang bei roten Grand Crus von der Côte-d’Or ist besonders bemerkenswert, da diese Weine an der Spitze des Renommees und der Preisskala Burgunds stehen. Das Minus von 12 Prozent erklärt für sich genommen nicht den gesamten Rückgang des Exportwerts, fügt sich aber in das Gesamtbild einer nachlassenden Nachfrage in Rotweinkategorien ein, die für die Region traditionell wichtige Werttreiber sind.
Der Aufstieg des Crémant verändert das Profil Burgunds dagegen weiter. Sein Marktanteil ist seit 2021 stetig gewachsen und erreichte im jüngsten Berichtszeitraum 17 Prozent. Das bedeutet nicht, dass Crémant die Bedeutung der Spitzenweine aus stillem Ausbau in puncto Prestige oder Flaschenwert ersetzt. Er ist jedoch zu einer wichtigeren Quelle für Absatzvolumen und Stabilität geworden.
Da die zugängliche Quelle keinen direkten Flaschenpreis ausweist, sollte der geschätzte Rückgang des rechnerischen Exportwerts je Flasche um 4,6 Prozent nicht als pauschale Preissenkung verstanden werden. Eine veränderte Verteilung auf Absatzmärkte kann den Durchschnittswert beeinflussen, wenn weniger in Länder verkauft wird, die teurere Weine kaufen. Dasselbe gilt, wenn sich der Produktmix zugunsten von Crémant oder preisgünstigeren Appellationen verschiebt oder der Zeitpunkt der Jahrgänge das verfügbare Angebot beeinflusst. Die Tendenz ist dennoch eindeutig: Burgund exportierte mehr Flaschen, nahm damit aber weniger ein.