04.05.2026

Der Weintourismus in Italien wächst, doch eine neue Branchenumfrage legt nahe, dass viele Weingüter weiterhin mit grundlegenden geschäftlichen Problemen zu kämpfen haben, die begrenzen, wie viel von diesem Wachstum sie für sich nutzen können.
Die von Wine Tourism Hub erstellte Studie 2026, vorgestellt auf der Vinitaly Tourism und basierend auf den Antworten von 176 Hospitality-Managern sowie zahlreichen internationalen Reiseveranstaltern, zeigt einen Markt mit starker Nachfrage, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, aber auch einen Markt mit schwacher Koordination, begrenzten digitalen Werkzeugen und uneinheitlicher Unterstützung durch lokale Institutionen. Die Ergebnisse verweisen auf eine Branche, die wertvoller und wettbewerbsintensiver wird, zugleich aber in einer Weise fragmentiert bleibt, die es vielen Weingütern erschwert, Besucher in verlässliche Umsätze zu verwandeln.
Vorgestellt wurde die Umfrage von Lavinia Furlani, Präsidentin von Wine Meridian, und Stefano Tulli, Mitgründer von Winedering. Gemeinsam zeichneten sie das Bild eines italienischen Weintourismus, der zwar an Umfang gewinnt, aber weiterhin die Systeme vermissen lässt, die dieses Wachstum tragen könnten. Der Bericht beziffert den weltweiten Markt für Weintourismus auf 46 Milliarden US-Dollar und nennt ein jährliches Wachstum von 13%. Für Italien weisen ISMEA-Daten für 2024 15 Millionen Besucher und 3 Milliarden Euro an Ausgaben im Zusammenhang mit Weintourismus aus.
Für Hospitality-Manager besteht die größte Herausforderung nicht allein darin, das Besuchererlebnis zu verbessern, sobald die Gäste vor Ort sind. Das am häufigsten genannte Problem, von 36,8% der Befragten genannt, ist vielmehr, überhaupt die richtigen Touristen ins Weingut zu bringen. Weitere 19,7% sagten, das Hauptproblem sei es, den Verkauf nach dem Besuch nachhaltig zu gestalten. Mehr als die Hälfte der Befragten, 51,3%, gab an, dass Direktverkäufe nach einem Besuch zwischen 20% und 50% ihrer Einnahmen aus dem Hospitality-Bereich ausmachen – ein Hinweis darauf, wie wichtig der Verkostungsraum als Vertriebskanal geworden ist.
Dennoch erklärten viele Manager, sie fühlten sich von lokalen Institutionen oder Wein-Konsortien nicht ausreichend unterstützt. Die meisten bewerteten diese Akteure bei der Frage nach ihrer Wirksamkeit in der Vermarktung schlecht. Als wichtigste Hindernisse nannten sie fehlende finanzielle Mittel, von 31,6% genannt, sowie Schwierigkeiten beim Aufbau von Partnerschaften mit lokalen Organisationen, von 27,6% genannt. Fragmentierung wurde ebenfalls von 36,8% der Befragten als zentrales Hindernis genannt, ebenso wie eine schwache Infrastruktur, ebenfalls von 36,8% genannt.
Der Bericht legt nahe, dass besser organisierte Weingüter unabhängig von ihrer Budgetgröße besser abschneiden als andere. Strukturierte Betriebe verzeichneten ein jährliches Besucherwachstum von 16,8% – ein Zeichen dafür, dass Managementpraktiken wichtiger sein könnten als reine Ausgaben. Auch der durchschnittliche Betrag pro Besucher in italienischen Weingütern ist in zwei Jahren deutlich gestiegen: von 140 Euro auf 178 Euro, ein Plus von 28%.
Besonders wichtig für den Sektor bleiben amerikanische Reisende. Die Umfrage beschreibt US-Besucher als profitabelste Kundengruppe mit durchschnittlichen Ausgaben von rund 400 Euro pro Person. Auch Reiseveranstalter in den Vereinigten Staaten sehen Italien als ihr wichtigstes Ziel für 2026; 88% erwarten in diesem Jahr steigende Umsätze. Zugleich sagten 63%, dass sich die Buchungsfenster verkürzen und Entscheidungen inzwischen oft erst 20 bis 45 Tage vor Abreise getroffen werden.
Dieser Wandel setzt die Weingüter unter Druck, schneller zu reagieren und online klarer zu verkaufen. Reiseveranstalter nannten langsame Antworten, unklare Preise und das Fehlen von Online-Buchungssystemen als ihre größten Frustrationen. Ohne Online-Verfügbarkeit werden Weingüter bei Suchanfragen über KI-Tools und andere digitale Plattformen schwerer auffindbar – Plattformen also, die die Reiseplanung zunehmend prägen.
Die Veranstalter sagten zudem, sie bräuchten grundlegende Standards, bevor sie Besuche in Weingütern wirksamer verkaufen könnten: fließend Englisch sprechende Guides, transparente Nettopreise und flexible Öffnungszeiten einschließlich Wochenenden. Diese Erwartungen gewinnen an Bedeutung, da Reisende später buchen und sofortige Bestätigung erwarten.
Die Einführung neuer Technologien bleibt in weiten Teilen des Sektors begrenzt. Laut der Umfrage haben bislang nur 1% der italienischen Weingüter Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz eingeführt. Diese Lücke könnte viele Betriebe aus den qualifiziertesten touristischen Strömen ausschließen, wenn sie ihre Buchungs- und Kommunikationssysteme nicht modernisieren.
Der Bericht argumentiert, dass Wein-Hospitality in Italien nicht länger als Zusatzleistung behandelt werden sollte, sondern als Geschäftseinheit mit klaren Leistungskennzahlen und Rentabilitätszielen geführt werden muss. Würden ihnen morgen zusätzlich 50.000 Euro zur Verfügung stehen, würden laut Angaben 44,8% der Hospitality-Manager das Geld in Marketing und Social Media investieren; 36,8% würden es für die Renovierung von Besucherbereichen einsetzen.
Die übergeordnete Botschaft der Umfrage lautet: Der italienische Weintourismus besitzt starke internationale Anziehungskraft und echtes wirtschaftliches Potenzial. Seine Zukunft wird jedoch davon abhängen, ob es den Weingütern gelingt, enger zusammenzuarbeiten und professionelle Standards einzuführen, die ihre Angebote leichter kaufbar machen – leichter auffindbar und leichter skalierbar.
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