09.04.2026

Jüngste Forschungsarbeiten unter der Leitung von Professor Vincenzo Gerbi von der Universität Turin haben ein neues Licht auf die biochemischen Mechanismen geworfen, die die Farbe in Rotweinen stabilisieren. Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie Anthocyane, Acetaldehyd und Mikro-Sauerstoffanreicherung zusammenwirken, um die Langlebigkeit und Intensität der Weinfarbe zu verbessern - ein Schlüsselfaktor für Qualität und Attraktivität für den Verbraucher.
Anthocyane sind natürliche Pigmente, die für die roten und violetten Farbtöne im Wein verantwortlich sind. Bei der Weinherstellung werden diese Verbindungen leicht abgebaut, was mit der Zeit zu einem Farbverlust führen kann. Professor Gerbi erklärt, dass der Stabilisierungsprozess die Bildung von Additionsdimeren beinhaltet - molekulare Strukturen, in denen sich Anthocyane miteinander verbinden, oft mit Hilfe von Acetaldehyd. Diese Reaktion unterbricht die Polymerisationskette und führt zu stabilen Farbverbindungen, die keine reaktiven Stellen für weitere Bindungen mehr haben. Ein bemerkenswertes Produkt ist ein lilafarbenes Dimer mit einem Absorptionsmaximum bei 540 Nanometern, das zum leuchtenden Aussehen von gealterten Rotweinen beiträgt.
Die Forschungsergebnisse machen deutlich, dass eine möglichst rasche und effiziente Reduzierung der freien Anthocyane entscheidend ist, um eine günstige Farbintensität und Langlebigkeit zu erreichen. Diese Reduzierung wird in erster Linie durch die Reifung in Holzfässern und die kontrollierte Mikro-Sauerstoffanreicherung erreicht. Bei beiden Methoden wird Sauerstoff in den Wein eingebracht, was chemische Reaktionen erleichtert, die die Anthocyane in stabilere Formen binden.
Historische Vergleiche liefern den Kontext für diese Erkenntnisse. Bei klassischen italienischen Rebsorten wie Nebbiolo aus dem Piemont und Sangiovese aus der Toskana wiesen die im letzten Jahrhundert erzeugten Weine nach einigen Jahren der Reifung typischerweise orangefarbene Töne auf - ein Zeichen für Pigmentverlust und Oxidation. Dank verbesserter Weinbergsbewirtschaftung und Weinbereitungstechniken weisen diese Sorten heute auch nach drei Jahren Reifung noch tiefere Rottöne auf. Diese Entwicklung ist nicht nur auf ein besseres Sauerstoffmanagement zurückzuführen, sondern auch auf Fortschritte in der Agronomie, wie z. B. verbesserte Beschneidungssysteme, die Pflege der Weinbergskronen und die Auswahl von Traubenmaterial mit höherem Anthocyangehalt.
Quantitative Daten unterstreichen diesen Fortschritt. Traditionell ergaben Trauben mit einem Anthocyangehalt von etwa 500 mg/kg Weine, die nach der Produktion nur noch 50-60 mg/L enthielten - ein Verlust von fast 90 %. Moderne Verfahren haben den Pigmentrückhalt verdoppelt, so dass heutige Weine 100-120 mg/L Anthocyane aufweisen. Diese Verbesserung ist sowohl für die visuelle Attraktivität als auch für die wahrgenommene Qualität von Bedeutung.
Die Zufuhr von Sauerstoff in den Wein hängt nicht nur von der Fassreifung oder von Mikro-Oxygenierungsgeräten ab. Alltägliche Vorgänge im Weinkeller - wie Umpumpen, Abfüllen, Verschneiden, Filtrieren, Zentrifugieren, Temperaturänderungen und Abfüllen - tragen ebenfalls zur Sauerstoffanreicherung bei. In einer Studie von Ferrarini aus dem Jahr 2001 wurde die Sauerstoffaufnahme während dieser Vorgänge gemessen, was ihre Rolle bei der Erleichterung positiver chemischer Reaktionen bestätigte.
Professor Gerbi unterscheidet in seiner Analyse zwischen Kondensationsreaktionen, die mit oder ohne Sauerstoffzufuhr ablaufen. Während eine gewisse Polymerisation in Edelstahltanks auf natürliche Weise ohne Sauerstoffzufuhr stattfinden kann, führt die Mikro-Sauerstoffzufuhr zu einem höheren Anteil an stabilisierten Anthocyanen und nicht reaktiven Pigmenten. Dies führt zu Weinen mit einer intensiveren und beständigeren Farbe.
Bei der Mikro-Sauerstoffanreicherung werden dem Wein, der in Beton- oder Stahltanks gelagert wird, unter kontrollierten Bedingungen geringe Mengen Sauerstoff zugeführt. Diese Technik ist zu einem Standardinstrument für Winzer geworden, die die Farbstabilität verbessern wollen, ohne sich ausschließlich auf die traditionelle Fassreifung zu verlassen.
Die Ergebnisse der Arbeit von Professor Gerbi zeigen, dass die moderne Önologie wissenschaftliches Verständnis mit technologischer Innovation verbindet, um Rotweine mit größerer Farbstabilität und Langlebigkeit als je zuvor herzustellen. Durch die Steuerung der Sauerstoffexposition in verschiedenen Phasen - vom Weinberg bis zur Flasche - können die Winzer instabile Pigmente in robuste Polymere umwandeln, die den visuellen Charakter moderner Rotweine bestimmen.
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