17.06.2026
Italien hat neue Regeln für die Konsortien eingeführt, die geschützte Namen von Lebensmitteln und Getränken überwachen, und erweitert damit ihre Rolle über Marken- und Promotionsschutz hinaus um eine breitere Steuerung der Lieferkette, Nachhaltigkeitsplanung und Tourismusentwicklung.
Die Maßnahme, ein vom Ministerium für Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Forsten am 3. Juni erlassenes Dekret, bringt Italiens System in Einklang mit der Verordnung (EU) 2024/1143, die im April 2024 verabschiedet wurde. Der EU-Rahmen umfasst geografische Angaben für Weine, Spirituosen und landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie traditionelle Spezialitäten und fakultative Qualitätsangaben für landwirtschaftliche Produkte.
Nach den neuen italienischen Regeln sollen Konsortien für DOP- und IGP-Produkte — die nationalen Kennzeichnungen für geschützte Ursprungsbezeichnung und geschützte geografische Angabe — eine stärkere koordinierende Rolle entlang der Produktionsketten übernehmen. Dazu gehört, die Organisation des Angebots zu unterstützen, gemeinsame Strategien unter den Akteuren zu fördern und zur wirtschaftlichen Entwicklung der mit diesen Produkten verbundenen Gebiete beizutragen.
Für den Getränkesektor ist die Änderung bedeutsam, weil viele der bekanntesten italienischen Weine und Spirituosen von geografischen Angaben abhängen und das Dekret die Art und Weise verändern könnte, wie diese Bezeichnungen verwaltet, vermarktet und überwacht werden. Für Erzeuger von Appellationsweinen, Grappa und anderen geschützten Getränken könnte die Reform zu engerer Koordination, strukturierterer Aufsicht und einer stärkeren Verknüpfung zwischen Bezeichnungsmanagement und Tourismus führen.
Eine der wichtigsten Änderungen besteht darin, dass mehrere geografische Angaben nun innerhalb einer einzigen Konsortiumsstruktur vertreten sein können, wobei die Entscheidungsautonomie jeder einzelnen Bezeichnung erhalten bleibt. Ziel ist es, kleineren oder mittelgroßen DOP- und IGP-Systemen zu ermöglichen, technisches Know-how, Promotionsarbeit und Überwachungsleistungen zu bündeln, statt isoliert zu arbeiten.
Dieser Ansatz soll Fragmentierung in Sektoren entgegenwirken, in denen Größe die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen kann. In der Praxis könnte er einigen Erzeugern helfen, Kosten zu senken und das gemeinsame Handeln auf dem Binnen- und Exportmarkt zu verbessern, insbesondere dort, wo einzelne Bezeichnungen nicht über die Mittel verfügen, um große Promotions- oder Compliance-Strukturen allein aufrechtzuerhalten.
Das Dekret verleiht auch der Nachhaltigkeit als Teil der Konsortialtätigkeit formelles Gewicht. In diesem Rahmen beschränkt sich Nachhaltigkeit nicht auf Umweltleistung. Sie umfasst auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit für Erzeuger sowie soziale Nachhaltigkeit für lokale Gemeinschaften und Beschäftigte. Diese weiter gefasste Auslegung spiegelt eine politische Sichtweise wider, wonach eine geschützte Bezeichnung nur dann tragfähig bleibt, wenn sie natürliche Ressourcen bewahren und zugleich Einkommen in der Landwirtschaft, Beschäftigung und den Generationenwechsel in ländlichen Gebieten unterstützen kann.
Ein weiterer durch die Reform gestärkter Bereich ist der mit geografischen Angaben verbundene Tourismus. Von den Konsortien wird erwartet, dass sie eine aktivere Rolle dabei spielen, zertifizierte Produkte zu Einstiegspunkten für Reiseerlebnisse zu machen, die mit Ort, Kultur und lokaler Produktion verbunden sind. Gerade für Weinregionen könnte dies die Rolle der Konsortien bei der Planung des Weintourismus, bei Besucher-Routen und beim koordinierten Storytelling rund um Appellationen stärken.
Das Dekret verschärft zudem die Regeln zur Repräsentativität, Überprüfung und Aufsicht. Da Konsortien weitreichendere Befugnisse erhalten, strebt die Regierung stärkere Garantien dafür an, dass sie die von ihnen vertretenen Lieferketten tatsächlich widerspiegeln. Ziel sind mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht in Gremien, die zunehmend kommerzielle Strategien, territoriale Vermarktung und das Management von Bezeichnungen beeinflussen.
Für Restaurants, Hotels und andere Betriebe des Gastgewerbes könnte dieser Wandel bedeuten, dass sie es mit Konsortien zu tun haben, die weniger als passive Hüter von Zertifizierungszeichen auftreten und stärker als organisierte territoriale Partner agieren. Das könnte sich in einem breiteren Zugang zu zertifizierten Produkten, gemeinsamen Promotionsinitiativen, stärkeren Rückverfolgbarkeitsgarantien und besser koordinierten Food-and-Drink-Tourismusprojekten niederschlagen.
Die Reform kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Italien versucht, den Wert seiner geografischen Angaben in einem wettbewerbsintensiveren globalen Markt zu verteidigen und zugleich auf Druck bei Nachhaltigkeit, Betrugsbekämpfung und ländlicher Entwicklung zu reagieren. Vor diesem Hintergrund wird eine stärkere Governance der Konsortien nicht nur als Instrument zum Schutz von Namen positioniert, sondern auch dazu, sie als wirtschaftliche Vermögenswerte zu steuern, die mit lokaler Identität verbunden sind.
Der neue Rahmen fügt sich zudem in eine breitere Verschärfung des Schutzes italienischer Lebensmittelprodukte ein, einschließlich jüngster Maßnahmen zu lebensmittelbezogenen Straftaten zur Bekämpfung von Betrug und Fälschungen. Zusammen deuten diese Schritte auf einen stärker interventionistischen Ansatz hin, mit dem Italien zertifizierte Herkunftsprodukte in Landwirtschaft und Getränkesektor steuert.
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