10.06.2026
Eine neue Studie, veröffentlicht im Journal of Studies on Alcohol and Drugs, fand keinen allgemeinen gesundheitlichen Nutzen bei irgendeinem Alkoholkonsum und brachte selbst geringe Mengen mit höheren langfristigen Risiken für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Tod in Verbindung.
Die Studie mit dem Titel Alcohol Intake and Health Study wurde von Forschern in den Vereinigten Staaten und Kanada geleitet, darunter Kevin Shield, außerordentlicher Professor an der University of Toronto und leitender Wissenschaftler am WHO/Pan American Health Organization Collaborating Centre in Addiction and Mental Health. Die Arbeit wurde ursprünglich von der US-Bundesregierung in Auftrag gegeben, um die nächste Ausgabe der U.S. Dietary Guidelines zu informieren.
Den Forschern zufolge hatten Menschen, die im Durchschnitt 14 Drinks pro Woche konsumierten, ein lebenslanges alkoholbedingtes Sterberisiko von 1 zu 25. Der Konsum von bis zu 7 Drinks pro Woche war bei den meisten untersuchten Erkrankungen mit nur minimal erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden. Die Autoren erklärten, dass das Risiko mit steigendem Konsum zunahm.
„Schon geringe Mengen Alkohol sind mit Gesundheitsrisiken verbunden“, sagte Dr. Shield in einer mit der Studie veröffentlichten Stellungnahme. „Und dieses Risiko steigt weiter an, je mehr jemand trinkt.“
Die Forscher wollten abschätzen, wie sich Trinkgewohnheiten über die Lebenszeit auf die Wahrscheinlichkeit von Krankheit, Behinderung und Tod durch Alkohol bei Amerikanern auswirken. Dafür werteten medizinische Experten mehr als 7.200 wissenschaftliche Artikel zu alkoholbedingten Krankheiten und Verletzungen aus. Anschließend übertrug das Team diese Erkenntnisse auf große nationale Gesundheitsdatensätze und nutzte statistische Modellierung, um zu schätzen, wie unterschiedliche Trinkmengen langfristige gesundheitliche Folgen beeinflussen könnten.
Die Analyse umfasste chronische und akute Erkrankungen, von denen bekannt ist, dass sie kausal mit Alkohol zusammenhängen, darunter Krebsarten wie Speiseröhren-, Mund- und Brustkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und Verletzungen. Zwar können geringe Trinkmengen in manchen Fällen mit niedrigeren Risiken für ischämische Herzkrankheit und Schlaganfall verbunden sein, doch die Forscher erklärten, dass diese möglichen Vorteile nicht ins Gewicht fielen, wenn alle alkoholbedingten Schäden zusammen betrachtet würden.
„Wir haben bei keinem Konsumniveau einen signifikanten schützenden Effekt von Alkohol auf die Gesundheit beobachtet“, sagte Dr. Shield. „Bei geringen Mengen kann Alkohol mit einem reduzierten Risiko für ischämische Herzkrankheit und Schlaganfall verbunden sein. Aber wenn man das gesamte Spektrum der gesundheitlichen Folgen betrachtet, einschließlich Krebs und anderer chronischer Krankheiten, werden diese potenziellen Vorteile durch die Risiken aufgewogen – selbst bei sieben Drinks pro Woche.“
Die Ergebnisse stellen eine seit Langem verbreitete öffentliche Annahme infrage, wonach moderates Trinken die Gesundheit insgesamt schützen könne. Sie erscheinen zudem zu einem Zeitpunkt, an dem die bundesweiten Empfehlungen weiterhin allgemein gehalten sind. Die aktuellen U.S. Dietary Guidelines raten Amerikanern dazu, alkoholische Getränke zu begrenzen, nennen aber keine konkrete Menge als sicher. Frühere Fassungen empfahlen nicht mehr als zwei Drinks pro Tag für Männer und einen für Frauen.
Timothy Naimi, Direktor des Canadian Institute for Substance Use Research an der University of Victoria und außerordentlicher Professor an der Boston University, sagte, die Studie solle einen klareren quantitativen Rahmen liefern als die derzeitigen bundesweiten Empfehlungen.
„Während die neuen U.S. Dietary Guidelines eine nützliche Botschaft nach dem Motto ‚weniger ist besser‘ enthalten, bieten sie keinen quantitativen Rahmen“, sagte Dr. Naimi. „Unsere Studie sollte genau das über das gesamte Trinkspektrum hinweg leisten.“
Er fügte hinzu: „Zwei Drinks pro Tag, was aus sozialer Sicht als ‚moderat‘ gelten könnte, sind mit einem deutlich erhöhten Risiko eines vorzeitigen Todes durch Alkohol verbunden.“
Die Autoren erklärten, ihre Schätzungen spiegelten ein Risiko auf Bevölkerungsebene wider und seien keine Vorhersage für eine einzelne Person. Individuelle Ergebnisse könnten je nach Genetik, Lebensstil, Trinkverhalten und anderen Faktoren variieren. Sie wiesen außerdem darauf hin, dass sich die Forschung zu Alkohol weiterentwickele und neuere Erkenntnisse den Konsum mit weiteren Erkrankungen in Verbindung brächten, darunter Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Dennoch bietet die Studie einen Maßstab, der voraussichtlich Einfluss auf gesundheitspolitische Debatten haben wird, weil sie ein erhöhtes Risiko oberhalb von einem Drink pro Tag sowohl für Männer als auch für Frauen nahelegt. Das könnte den Druck auf politische Entscheidungsträger und Gesundheitsbehörden erhöhen, wenn sie abwägen, ob künftige Ernährungsempfehlungen klarere Schwellenwerte oder deutlichere Warnhinweise enthalten sollten.
Die Ergebnisse könnten auch über die Medizin hinaus Bedeutung haben. Für Hersteller von Wein, Bier und Spirituosen sowie für Händler, Einzelhändler und Gastronomiebetriebe könnte eine strengere öffentliche Kommunikation über niedrige Trinkmengen beeinflussen, wie Produkte vermarktet und gegenüber Verbrauchern besprochen werden. Zudem könnte dies die Debatte über Gesundheitswarnhinweise und Aussagen zur Mäßigung neu entfachen – zu einem Zeitpunkt, an dem viele Getränkeunternehmen bereits ihr Angebot an alkoholarmen und alkoholfreien Produkten ausbauen, um auf veränderte Verbrauchertrends zu reagieren.
Die Autoren der Studie erklärten, klarere Informationen könnten Menschen helfen, fundiertere Entscheidungen über das Trinken zu treffen. Ihre zentrale Schlussfolgerung war eindeutig: Geringerer Konsum bedeutet geringeres Risiko, und keine Alkoholmenge zeigte in ihrer Analyse einen insgesamt schützenden Effekt auf die Gesundheit.
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