28.05.2026
Kanada hat am Donnerstag eine öffentliche Konsultation gestartet, mit der das System geografischer Angaben nach dem Trademarks Act ausgeweitet werden soll. Der Schritt könnte Auswirkungen darauf haben, wie Weine und Spirituosen im Land benannt und vermarktet werden, und den Schutz künftig auch auf traditionelles Handwerk sowie Industrieprodukte ausdehnen.
Die Regierung erklärte, die Beteiligung solle Rückmeldungen von Kanadiern einholen, mit besonderem Schwerpunkt auf den Indigenous Peoples, während geprüft werde, wie ein System modernisiert werden könne, das derzeit nur bestimmte landwirtschaftliche und Lebensmittelprodukte sowie Weine und Spirituosen umfasst. Die eingehenden Stellungnahmen sollen die künftige politische Ausrichtung mitprägen.
Geografische Angaben sind eine Form geistigen Eigentums, mit der Produkte gekennzeichnet werden, die aus einem bestimmten Ort stammen und deren Qualität, Ruf oder andere Eigenschaften mit diesem Ort verbunden sind. In der Praxis kann die Bezeichnung Produzenten helfen, Authentizität zu signalisieren, Verbrauchervertrauen aufzubauen und Waren auf dem Binnen- wie auf Exportmärkten zu differenzieren.
Zum aktuellen System in Kanada gehören bei Spirituosen Namen wie Canadian Rye Whisky sowie bei Weinen Ontario Icewine, Vin de glace du Québec, Niagara Peninsula und Okanagan Valley. Die Regierung teilte mit, sie prüfe nun, ob das Regime auf Kategorien wie traditionelles Handwerk und Industrieprodukte ausgeweitet werden sollte.
Die Konsultation steht zudem im Zusammenhang mit Kanadas Umsetzung des United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples Act. Nach Angaben der Regierung soll Feedback dazu eingeholt werden, wie mögliche Änderungen das Wissen und die kulturellen Ausdrucksformen indigener Völker besser schützen könnten, einschließlich der respektvollen Verwendung indigener Ortsnamen im Rahmen geografischer Angaben.
Mélanie Joly, Ministerin für Industrie und zuständig für Canada Economic Development for Quebec Regions, erklärte in einer Mitteilung, eine Stärkung des Schutzes für Waren wie traditionelles Handwerk oder kulturell bedeutsame Produkte könne Wirtschaftswachstum, Tourismus, Investitionen und die Entwicklung des Handels fördern. Ziel des Verfahrens sei es, direkt von Indigenous Peoples und anderen Interessengruppen zu hören, wie sich Authentizität durch Regeln zum geistigen Eigentum besser schützen lasse.
Die Regierung verwies zur Begründung auch auf internationale Entwicklungen. Die Europäische Union hat ihr eigenes System geografischer Angaben jüngst auf Handwerks- und Industrieprodukte ausgeweitet und dabei deren kulturellen und wirtschaftlichen Wert hervorgehoben. Kanadische Beamte erklärten, ähnliche Produkte hierzulande könnten eng mit regionalen Geschichten und lokalen Produktionsmethoden verbunden sein.
Zu diesen Produkten zählen laut Mitteilung der Regierung unter anderem Webwaren, Textilien, Perlenarbeiten, Keramik sowie Holz- und Steinschnitzereien. Solche Waren könnten starke regionale Identitäten tragen und von einem klareren rechtlichen Schutz profitieren, falls Kanada das System ausweitet.
Die Konsultation erfolgt vor dem Hintergrund von Ottawas Bemühungen, kanadische Produkte im Ausland stärker zu fördern und zugleich die Diversifizierung des Handels im Inland zu unterstützen. Nach Angaben der Regierung könnten stärkere Schutzrechte Unternehmen helfen, ihre Waren in umkämpften Märkten besser zu differenzieren und neue Chancen für Produzenten aus bestimmten Regionen zu schaffen.
Innovation, Science and Economic Development Canada erklärte, die Beteiligung werde einen Teil einer umfassenderen Verpflichtung im Rahmen von Maßnahme 101 des Aktionsplans zur UN-Erklärung informieren. Diese sieht vor, dass Bundesbehörden mit Indigenous Peoples zusammenarbeiten sollen, damit das Recht des geistigen Eigentums ihre Rechte an kulturellem Erbe, Wissen und kulturellen Ausdrucksformen widerspiegelt.
Die Konsultation ist über den Beteiligungsprozess der Regierung nun geöffnet; Beamte laden Produzenten, indigene Gemeinschaften, Branchenverbände und andere interessierte Kanadier zur Stellungnahme ein.
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