Römischer Honigwein kehrt in die Gunst zurück

Mulsum, einst bei Festmählern der Elite und als Mittel gegen Magenbeschwerden geschätzt, erlebt in modernen Küchen eine Wiederbelebung

Das erneute Interesse an antiken Getränken hat Mulsum wieder ins Blickfeld gerückt – den mit Honig versetzten Wein, der in römischen Haushalten und bei Banketten verbreitet war und den Historikern zufolge sowohl als Genussgetränk als auch als Mittel gegen Magenbeschwerden geschätzt wurde. Das Getränk, hergestellt durch das Mischen von Wein mit Honig und gelegentlich Gewürzen, wurde in der römischen Welt weithin konsumiert, besonders unter wohlhabenderen Griechen und Römern, die ihn als leichtere und besser trinkbare Alternative zu stärkeren Weinen bevorzugten.

In der Antike war Wein nicht immer das veredelte Produkt, das moderne Konsumenten kennen. Römer verbesserten ihn häufig mit Kräutern, Harz, Meerwasser oder Honig, teils um Mängel zu überdecken, teils um neue Aromen zu schaffen. Mulsum fiel vor allem wegen seiner Süße und seiner Rolle zu Beginn einer Mahlzeit auf. Autoren wie Horaz, Properz und Seneca beschrieben Wein in Zusammenhängen, die Trinken mit der Linderung von Trauer und den Lasten des Alltags verbanden; Mulsum fügte sich in diese breitere Kultur des Weins als Nahrung und Medizin ein.

Antike Quellen sind sich bei einem einheitlichen Rezept nicht einig. Der Agrarschriftsteller Columella beschrieb eine Methode, bei der Most vor der Gärung mit Honig vermischt und nach einigen Wochen umgefüllt wurde. Andere Berichte sagen, dass der Honig stattdessen in den fertigen Wein eingerührt wurde. Palladius lieferte Jahrhunderte später eine weitere Version, in der Honig erst nach bereits erfolgter Gärung hinzugefügt wurde und die Mischung noch eine Zeit lang weitergären sollte. Die Unterschiede deuten darauf hin, dass Mulsum weniger eine feste Formel als vielmehr eine Familie von Zubereitungen war, angepasst an lokalen Geschmack und verfügbare Zutaten.

Die Wahl des Grundweins spielte eine wichtige Rolle. Falernischer Wein aus dem nördlichen Kampanien nahe Neapel galt als einer der besten Weine der römischen Epoche und wurde oft mit Luxus und göttlicher Gunst verbunden. Der römischen Legende zufolge belohnte Bacchus einen bescheidenen Bauern namens Falernus, indem er seinen Berg nach einer einfachen Mahlzeit in Weinberge verwandelte. Diese Geschichte trug dazu bei, falernischen Wein zu einem Prestigesymbol zu machen; für anspruchsvolle Trinker wäre er eine naheliegende Wahl für Mulsum gewesen.

Moderne Varianten von Mulsum folgen meist einem einfacheren Ansatz. Ein gängiges Hausrezept sieht einen Liter Rotwein, etwa 130 Gramm Honig und einen Löffel gemahlenen schwarzen Pfeffer vor. Die Zutaten werden bei Raumtemperatur vermischt und anschließend vor dem Servieren mehrere Stunden gekühlt. Manche lassen das Getränk länger ziehen, damit sich die Aromen verbinden und der Pfeffer stärker durchzieht. Da Honig Zucker enthält, der die Gärung anregen kann, kann sich der Alkoholgehalt verändern, wenn die Mischung vor dem Trinken zu lange stehen bleibt.

Serviert wird das Getränk typischerweise kalt. Viele Köche empfehlen, es vor dem Einschenken umzurühren, damit sich der Pfeffer nicht am Boden des Gefäßes absetzt. Das Ergebnis ist zunächst süßlich, mit einem scharfen Abgang durch das Gewürz. Für alle, die sich für die römische Esskultur interessieren, bietet Mulsum eine direkte Verbindung zu einer älteren Tischkultur, in der Wein selten nur Wein war und oft zugleich Geschmacksträger, Statussymbol und Funktion hatte.