23.04.2026
Ontario und Nova Scotia haben eine Vereinbarung unterzeichnet, die den Alkoholverkehr in Kanada verändern könnte: Verbraucher in beiden Provinzen können künftig Alkohol direkt bei Brennereien, Brauereien und Weingütern der jeweils anderen Provinz kaufen. Branchenvertreter sehen darin einen möglichen Schritt hin zu einem offeneren nationalen Markt.
Die Vereinbarung, die im vergangenen Monat von Ontarios Premier Doug Ford und Nova Scotias Premier Tim Houston bekannt gegeben wurde, ist Teil eines breiteren Vorstoßes, die Hürden zwischen den Provinzen abzubauen – zu einem Zeitpunkt, an dem Kanada zugleich mit Handelsdruck aus den Vereinigten Staaten konfrontiert ist. Der Schritt schafft zwar keinen vollständig offenen Markt, lockert aber eine der seit Langem bestehenden Beschränkungen des Landes: die provinziellen Kontrollen über Verkauf und Vertrieb von Alkohol.
Kanadas Spirituosenbranche ist seit Langem durch provinzielle Regeln zersplittert. Alberta und Saskatchewan haben privatisierte Einzelhandelssysteme, während sich die meisten anderen Provinzen weiterhin auf staatliche Alkoholbehörden stützen, um den Verkauf zu kontrollieren. In Ontario bedeutet das, dass das Liquor Control Board of Ontario nach wie vor eines der größten Alkoholmonopole der Welt ist. Nach der neuen Regelung können Verbraucher in Ontario und Nova Scotia direkt bei Produzenten in beiden Provinzen bestellen, statt ausschließlich über die provinziellen Einzelhandelskanäle zu gehen.
Die Vereinbarung wird als Teil von Ontarios Bemühungen dargestellt, „Barrieren für den interprovinziellen Handel einzureißen“. Nach Angaben von Regierungsvertretern soll sie Verbrauchern mehr Auswahl und Komfort bieten und zugleich Produzenten mehr Chancen eröffnen. Seit Juli 2025 haben Ontario und zehn weitere Jurisdiktionen eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit der sie sich verpflichten, den landesweiten Direktverkauf von Alkohol an Verbraucher bis Mai 2026 voranzubringen.
Der Zeitpunkt ist bedeutsam. Kanada steht wegen seines Handelsstreits mit den Vereinigten Staaten unter Druck, wo von Präsident Donald Trump verhängte Zölle kanadische Exporte treffen. Als Reaktion darauf haben seit März 2025 alle bis auf zwei kanadischen Provinzen amerikanischen Alkohol aus den Regalen des Einzelhandels entfernt. Branchenverbände sagen, die US-Spirituosenexporte nach Kanada seien um bis zu 70 % zurückgegangen; das treffe Marken wie Tito’s und Jack Daniel’s und veranlasse die Provinzen dazu, stattdessen heimische Produkte zu fördern.
Cal Bricker, Präsident und CEO von Spirits Canada, sagte, die Vereinbarung zwischen Ontario und Nova Scotia sende ein breiteres Signal zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb Kanadas. Es gehe dabei nicht nur um Alkoholverkäufe, sondern auch darum, Hürden abzubauen, die das Wachstum zwischen den Provinzen behindern. Seine Organisation wolle zudem auch den Streit mit den Vereinigten Staaten beigelegt sehen – mit wieder auf null gesetzten Zöllen zwischen Kanada, den USA und Mexiko.
Für kleinere Produzenten könnte die neue Regelung den Zugang zu größeren Märkten öffnen. Hersteller aus Nova Scotia erhielten Zugang zu Ontarios Bevölkerung von mehr als 14 Millionen Menschen – gegenüber rund einer Million in Nova Scotia. Das könnte Marken helfen, Kunden zu erreichen, ohne sich vollständig auf Regalflächen in provinziellen Geschäften verlassen zu müssen.
John Criswick, CEO des ontarischen Unternehmens Top Shelf Distillers, bezeichnete die Vereinbarung als guten ersten Schritt, auch wenn sein eigenes Unternehmen bereits über gewisse Marktzugänge verfügt. Kanada solle interne Blockaden abbauen, die es Unternehmen erschweren, über Provinzgrenzen hinweg zu verkaufen. Die Änderung könne außerdem dazu beitragen, Canadian Whisky klarer zu definieren, indem Craft-Produzenten von British Columbia bis Nova Scotia ein größeres Publikum erhalten.
Ganz einfach ist das neue System dennoch nicht. Die provinziellen Kennzeichnungsvorschriften unterscheiden sich weiterhin, und Produkte müssen möglicherweise angepasst werden, bevor sie anderswo verkauft werden können. Criswick verwies auf ein Beispiel aus Manitoba: Dort habe sein Unternehmen den Schriftzug „Bottoms up“ von einem Flaschenetikett entfernen müssen, weil die Aufsichtsbehörden darin eine Aufforderung zum Trinken gesehen hätten.
Auch für Marken mit Lohnbrennerei gibt es Grenzen. Malcolm Roberts, Mitgründer von Foxglove Spirits, sagte, sein Unternehmen könne die neuen Regeln nicht voll ausschöpfen, solange es keine Lizenz als Produzent oder Hersteller besitze. Seine Gin-Marke werde von einem Drittproduzenten in London, Ontario hergestellt; das erschwere Direktverkäufe nach den Regeln Nova Scotias. In der Praxis müsse womöglich der Brennereipartner verkaufen statt der Markeninhaber.
Um im neuen Rahmen direkt in eine der beiden Provinzen zu verkaufen, müssen Produzenten eine Genehmigung entweder über die Nova Scotia Liquor Corporation oder die LCBO beantragen. Alkohol, der über Provinzgrenzen hinweg verkauft wird, unterliegt zudem Aufschlägen, die faire Preise sicherstellen und mit lokalen Produkten wettbewerbsfähig bleiben sollen – bei gleichzeitiger Anpassung an bestehende Steuerstrukturen.
Shawn Hiscott, Mitgründer von Red Bank Whisky gemeinsam mit Schauspieler Kiefer Sutherland, sagte, die Vereinbarung könne Produzenten helfen, schneller in Märkte zu kommen, weil provinziellen Geschäften nur begrenzte Regalflächen zur Verfügung stehen. Sein Unternehmen verkauft bereits in Nova Scotia und Ontario; für Red Bank selbst sehe er daher zunächst weniger unmittelbaren Nutzen. Viele andere Marken könnten jedoch von dem leichteren Zugang profitieren.
Hiscott verwies außerdem auf einen Anstieg des Inlandstourismus in Kanada: Immer mehr Menschen entscheiden sich für Urlaub im eigenen Land statt für Reisen in die Vereinigten Staaten. Dieser Trend habe lokalen Brennereien geholfen und könnte die Nachfrage nach kanadischen Spirituosen weiter stärken, wenn die interprovinziellen Hürden weiter fallen.
Ob diese Vereinbarung zum Vorbild für andere Provinzen wird, bleibt offen. Produzenten und Handelsvertreter sagen jedoch, dass landesweit bereits Gespräche darüber laufen, wo Bürokratie abgebaut und interne Handelsregeln weiter gelockert werden können. Fürs Erste haben Ontario und Nova Scotia einen der bislang deutlichsten Schritte hin zu einem weniger eingeschränkten Spirituosenmarkt innerhalb Kanadas gemacht.
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