Bordeaux zeigt vor der Futures-Kampagne erste Erholungssignale

15.04.2026

Die Nachfrage nach Fine Wine verbessert sich leicht, während die Châteaux niedrigere Preise für den Jahrgang 2025 abwägen.

Am Vorabend der en-primeur-Verkostungen in Bordeaux mehren sich die Anzeichen, dass sich der Markt für Fine Wine nach einer langen Schwächephase stabilisieren könnte – auch wenn Zölle, kriegsbedingte Kosten und volatile Wechselkurse den Handel weiter belasten. Diese Entwicklung ist wichtig, weil sie beeinflussen könnte, wie die Châteaux den Jahrgang 2025 bepreisen und ob Käufer in nennenswerter Zahl auf den Futures-Markt zurückkehren.

Colin Hay schrieb für The Drinks Business, die Marktbedingungen blieben schwierig, seien aber nicht mehr einfach nur schlecht. Sie seien inzwischen „complicated“, was aus seiner Sicht für Bordeaux besser sei als der tiefe Abschwung, der weite Teile des vergangenen Jahres geprägt habe. Seine Einschätzung stützt sich unter anderem auf aktuelle Liv-ex-Daten, die zeigen, dass das Verhältnis von Geboten zu Angeboten erstmals seit drei Jahren wieder über 1 liegt. Praktisch bedeutet das: In Teilen des Sekundärmarkts übersteigt die Nachfrage inzwischen das Angebot.

Das führt allerdings nicht automatisch zu einer starken en-primeur-Kampagne. Liv-ex erfasst den Handel am Sekundärmarkt, während en primeur ein Primärmarktsystem ist, bei dem Käufer Weine vor der Abfüllung und Auslieferung verbindlich zeichnen. Dennoch, so Hay, seien beide Märkte enger miteinander verknüpft worden, weil Bordeaux’ négociants in den vergangenen Jahren lieber vergünstigte ältere Jahrgänge gekauft hätten, statt neue Zuteilungen zu Preisen zu übernehmen, die sie für zu hoch hielten. Wenn sich Lagerbestände am Sekundärmarkt abbauen und dort die Nachfrage anzieht, könne das seiner Ansicht nach den Blick wieder stärker auf Neuerscheinungen lenken.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Die Futures-Kampagne in Bordeaux startet zu einem Moment, in dem der Welthandel weiterhin durch die Zollpolitik von Präsident Donald Trump verunsichert ist. Diese hat die Nachfrage bereits gedämpft und Unsicherheit darüber geschaffen, wie hoch die Importkosten zum Zeitpunkt der Auslieferung der en-primeur-Weine in zwei Jahren sein werden. Da Zölle nicht beim Kauf, sondern erst bei der Auslieferung fällig werden, bewegen sich Käufer auf unsicherem Terrain. Diese Unsicherheit könnte einige Sammler dazu bewegen, jetzt zu kaufen, wenn sie glauben, dass Handelsbarrieren später nachlassen könnten. Sie könnte andere aber auch fernhalten, wenn sie höhere Kosten oder Währungsverluste befürchten.

Hay verwies zudem auf das breitere geopolitische Umfeld als Belastung für den Konsum. Der Konflikt im Golf habe die Kreditkosten und andere Ausgaben steigen lassen und damit Verbrauchern wie Unternehmen weniger Spielraum zum Ausgeben gelassen, schrieb er. Dennoch habe sich die Stimmung gegenüber Fine Wine selbst in diesem Umfeld zuletzt verbessert.

Für die Produzenten in Bordeaux reicht diese Verbesserung allein womöglich nicht aus. Viele Châteaux stehen nach mehreren schwachen Kampagnen und steigenden Produktionskosten unter finanziellem Druck. Einige wurden bereits zum Verkauf gestellt. Ihre Abhängigkeit von en primeur ist fragiler geworden, nachdem négociants Zuteilungen abgelehnt haben, wenn die Aufrufpreise nicht mit der Marktrealität übereinstimmten.

Damit bleiben den Produzenten nur begrenzte Optionen. Wohlhabendere Güter können versuchen, das Angebot zu verknappen und weniger Flaschen zu Preisen freizugeben, die ihre Position am Sekundärmarkt schützen. Andere müssen womöglich die Preise deutlich senken, nur um genug Wein abzusetzen und den Cashflow für ein weiteres Jahr zu sichern. Hay sagte, einige Betriebe könnten am Ende sogar unter Produktionskosten anbieten müssen, wenn sie in einem Jahr mit niedrigen Erträgen Verkäufe absichern wollen.

Auch die courtiers, die die Kampagne koordinieren und an den Transaktionen Provisionen verdienen, haben ein Interesse daran, dass das System funktioniert. Ihre Rolle dürfte in diesem Jahr besonders wichtig sein, weil sie zwischen den Einnahmeinteressen der Châteaux und den Erwartungen der négociants an Wert und Schutz vor weiteren Verlusten bei älteren Beständen vermitteln müssen.

Die négociants selbst tragen inzwischen deutlich weniger Risiko als früher. Hay sagte, viele von ihnen hätten sich darauf verlegt, physische Bestände zu verkaufen, die sie günstig am Sekundärmarkt gekauft haben; dadurch seien sie weniger abhängig von en primeur als zuvor. Diese Veränderung verschaffe ihnen mehr Spielraum, bei neuen Releases auch höhere Preise zu akzeptieren – sofern diese bestehende Bestände nicht allzu stark unter Druck setzen.

Unterm Strich bleibt ein Markt zurück, der zwar fragil ist, aber nicht länger erstarrt wirkt. Wenn Bordeaux will, dass die Kampagne 2025 Erfolg hat, müssten die Aufrufpreise laut Hay so weit sinken, dass sie Käufer zurücklocken und zugleich den langfristigen Wert der bereits im Umlauf befindlichen Weine schützen. Er hielt Preisnachlässe von rund 5% bis 10% in Euro gegenüber dem Niveau von 2024 für einen glaubwürdigen Ausgangspunkt – vor allem dann, wenn sie mit knapperem Angebot und einer abgestimmten Preisstrategie der Spitzenweingüter einhergehen.

Die Bedeutung ist hoch: Diese Kampagne wird zeigen müssen, ob en primeur im Geschäftsmodell von Bordeaux weiterhin eine zentrale Rolle spielt oder ob es weiter an Boden verliert gegenüber einem Markt, der inzwischen niedrigere Preise, weniger Risiko und klareren Gegenwert verlangt, bevor er zwei Jahre vor der Auslieferung Geld bindet.