Europäische Glasindustrie warnt EU-Führer vor wachsender Bedrohung für das Überleben des Sektors

12.02.2026

FEVE drängt auf sofortige Maßnahmen im Bereich Energiekosten und Regulierung, da sich die Schließung von Anlagen und der Abbau von Arbeitsplätzen auf dem gesamten Kontinent beschleunigen

Der Europäische Behälterglasverband (FEVE) hat die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union aufgefordert, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die industrielle Basis des Kontinents zu schützen, und davor gewarnt, dass der Behälterglassektor vor wachsenden Herausforderungen steht, die seine Zukunft bedrohen. Der Appell wurde während des Europäischen Industriegipfels in Antwerpen vorgetragen, wo FEVE-Präsident Michel Giannuzzi, der auch Vorsitzender von Verallia ist, den Aufruf von Antwerpen nachdrücklich unterstützte.

FEVE vertritt mehr als 140 Behälterglaswerke in 21 EU-Mitgliedstaaten. Die Branche liefert Verpackungen für Lebensmittel, Getränke, Kosmetika, Parfümerie und Arzneimittel. Nach Angaben von FEVE tragen in Glas verpackte Produkte jedes Jahr mit rund 140 Milliarden Euro zu den EU-Ausfuhren bei, was Glasverpackungen zu einem wichtigen Bestandteil der europäischen Exportwirtschaft und des weltweiten Ansehens macht.

Trotz ihrer Bedeutung steht die europäische Glasindustrie unter erheblichem Druck. Hohe Energiepreise, steigende Kohlenstoffkosten und ein schwieriges globales Handelsumfeld haben seit 2022 zu einem starken Rückgang der Produktion geführt. In ganz Europa kommt es zu Werks- und Wannenschließungen, was zu einem dauerhaften Verlust von Industriekapazitäten, qualifizierten Arbeitsplätzen und Know-how führt.

FEVE würdigte die jüngsten Bemühungen der Europäischen Kommission, wie die Omnibus-Pakete und den Clean Industrial Deal. Der Verband stellte jedoch fest, dass es immer noch eine große Kluft zwischen den politischen Zielen und der Realität der Hersteller gebe. FEVE warnte, dass Änderungen an den Benchmarks des EU-Emissionshandelssystems im Jahr 2026 die CO₂-bezogenen Kosten für einige Unternehmen zwischen 2025 und 2026 verdoppeln könnten. Die Gruppe sagte, solche Kostensteigerungen könnten Investitionen untergraben und den Fortschritt bei der Dekarbonisierung verlangsamen.

Giannuzzi betonte, dass eine starke europäische Industrie für ein widerstandsfähiges und sicheres Europa unerlässlich sei. Er erklärte, dass die Behälterglasindustrie sich zwar den Klimazielen verpflichtet fühlt und in Dekarbonisierungstechnologien investiert, diese Ziele aber nicht allein erreichen kann. Er forderte die Staats- und Regierungschefs der EU auf, unverzüglich zu handeln, um die Energie- und Kohlenstoffkosten zu senken, den Netzausbau zu beschleunigen und die Vorschriften zu vereinfachen.

FEVE skizzierte vier Hauptbereiche, in denen seiner Meinung nach dringend gehandelt werden muss. Erstens forderte er Maßnahmen zur Senkung der Energie- und Kohlenstoffkosten und wies darauf hin, dass die hohen Preise nicht nur durch die Marktkräfte, sondern auch durch regulatorische Belastungen verursacht würden. Zweitens forderte sie die politischen Entscheidungsträger auf, sich auf Ziele der Kreislaufwirtschaft zu konzentrieren, die die Wettbewerbsfähigkeit fördern und eine Überregulierung vermeiden. Drittens forderte FEVE einen stärkeren Schutz vor unfairem globalem Wettbewerb und bessere Schutzmaßnahmen gegen die Verlagerung von CO2-Emissionen. Schließlich forderte sie Anreize, um die Verbrauchernachfrage nach sicheren, in Europa hergestellten Kreislaufprodukten zu steigern.

Der Verband erklärte, dass die europäische Behälterglasindustrie mit dem richtigen politischen Rahmen weltweit führend im Bereich der Kreislaufverpackungen bleiben und die industrielle Stärke Europas weiterhin unterstützen kann. Die Botschaft von FEVE auf dem Gipfeltreffen war klar: Ohne schnelles Handeln der EU-Staats- und Regierungschefs läuft Europa Gefahr, einen wichtigen Teil seiner industriellen Basis zu einem kritischen Zeitpunkt sowohl für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit als auch für den ökologischen Wandel zu verlieren.