Adnams prüft Auslagerung der Flaschenbierproduktion, um Logistikkosten von 300.000 £ zu senken
Die Prüfung könnte dazu führen, dass das Brauen und Abfüllen von Ghost Ship und Broadside vom 150 Jahre alten Standort in Southwold wegverlagert wird.
Montag, 19. Oktober 2026

Adnams prüft, ob das Brauen und Abfüllen seiner Flaschen- und Dosenbiere an einen externen Anbieter verlagert werden soll. Die Brauerei aus Suffolk will damit ihre Logistikkosten senken, die inzwischen mehr als 300.000 £ pro Jahr betragen, berichtete The Grocer am Montag.
Im Mittelpunkt der Prüfung steht Adnams’ Geschäft mit Flaschen- und Dosenbier. Derzeit werden diese Biere am Unternehmensstandort in Southwold gebraut und anschließend zur Abfüllung zu Carlsberg Britvic transportiert. Die nun geprüfte Alternative würde sowohl das Brauen als auch das Abfüllen einem anderen Partner übertragen. Damit entfiele der bisherige Transport des Biers zwischen zwei Standorten, bevor es für den Einzelhandel abgefüllt wird.
The Grocer berichtete, dass Adnams im Rahmen eines internen Projekts mit dem Namen „Project Safe Harbour“ Gespräche mit fünf potenziellen Partnern geführt hat. Dadurch könnten einige der bekanntesten Biere der Brauerei, darunter Ghost Ship und Broadside, künftig außerhalb der traditionsreichen Brauerei in Southwold hergestellt werden. Adnams wurde 1872 gegründet und ist seit mehr als 150 Jahren in der Küstenstadt in Suffolk ansässig.
Die berichtete Prüfung bedeutet nicht, dass eine Verlagerung der Produktion bereits beschlossen wurde. Laut The Grocer befand sich das Projekt im Sommer noch in einer frühen Prüfungsphase; das Unternehmen hatte sich zu keiner Vereinbarung verpflichtet. Ein Zeitplan für eine endgültige Entscheidung wurde nicht veröffentlicht. Auch Angaben zu möglichen Einsparungen oder Produktionsmengen liegen nicht vor.
Als größten Kostendruck nennt der Bericht den Transport. Der Versand des Biers von Southwold zu einem externen Abfüller kostet das Unternehmen laut The Grocer mehr als 300.000 £ pro Jahr. Diese Ausgaben dürften ein wesentlicher Grund dafür sein, dass Adnams prüft, ob ein einzelner externer Anbieter sowohl das Brauen als auch das Abfüllen kostengünstiger übernehmen könnte.
Dem Bericht zufolge hatte die Brauerei zuvor erwogen, in Southwold eine eigene Abfüllanlage für Flaschen und Dosen zu errichten, sich jedoch wegen der hohen erforderlichen Investitionen dagegen entschieden. Nun wird die Auslagerung beider Produktionsschritte als möglicherweise günstigere Option geprüft.
Eine mögliche Verlagerung würde einen wichtigen Teil des Biergeschäfts von Adnams betreffen. Wie The Grocer berichtete, entfallen rund 60 % des Absatzes von Flaschen- und Dosenbier des Unternehmens auf Supermärkte. Entscheidungen darüber, wie dieses Bier hergestellt und abgefüllt wird, könnten sich damit unmittelbar auf einen bedeutenden Vertriebskanal auswirken – selbst wenn das Unternehmen seine Pub- und Gastronomiebetriebe unverändert lässt.
Das Unternehmen scheint mögliche Kosteneinsparungen gegen das Risiko abzuwägen, den Charakter seiner Biere zu verändern. The Grocer berichtete, Adnams habe sich bislang zurückgehalten, eine Vereinbarung einzugehen, solange nicht sichergestellt sei, dass die Qualität nicht leide. Für eine regionale Brauerei mit etablierten Marken und einer starken lokalen Identität dürfte dieser Aspekt für jede endgültige Entscheidung zentral sein.
Adnams kündigte am Montag keine formelle Produktionsverlagerung an, bestätigte jedoch, dass das Unternehmen seine Abläufe überprüft. In einer von The Grocer zitierten Stellungnahme sagte ein Sprecher, das Unternehmen prüfe regelmäßig seine Betriebsabläufe und kommerziellen Vereinbarungen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Die Prüfung der Dosen- und Flaschenabfüllung sowie der damit verbundenen Logistik erfolge vor dem Hintergrund von Plänen der Carlsberg Marston’s Brewing Company, die inzwischen Carlsberg Britvic heißt, ihren Betrieb in Burton zu schließen.
Die Stellungnahme legt nahe, dass es bei der Prüfung nicht nur um Transportkosten geht, sondern auch um Veränderungen in der bestehenden Lieferkette von Adnams. Sollte Carlsberg Britvics Plan das derzeitige Abfüllnetz verändern, muss Adnams möglicherweise neu entscheiden, wo und wie das für Supermärkte und andere Einzelhandelsgeschäfte bestimmte Bier abgefüllt wird.
The Grocer berichtete zudem, dass Adnams umfassendere Änderungen bei Lagerhaltung und Logistik prüft. Dazu zählen ein möglicher Verkauf des Reydon Distribution Centre nahe Southwold und die Auslagerung weiterer interner Logistikfunktionen. Diese Themen gehen über das Brauen und Abfüllen von Flaschen- und Dosenbier hinaus, deuten aber auf umfassendere Bemühungen hin, Abläufe zu vereinfachen und Kosten zu senken.
Bislang ist der klarste bekannte Bestandteil des Plans die Suche nach einem kostengünstigeren Modell für Flaschen- und Dosenbier. Adnams braut diese Produkte weiterhin in Southwold und transportiert sie zur Abfüllung an einen anderen Standort – ein Verfahren, das inzwischen jährliche Transportkosten im sechsstelligen Bereich verursacht. Das Unternehmen hat nicht öffentlich mitgeteilt, ob das Brauen von Flaschen- und Dosenbier in Southwold auch bei einer künftigen Vereinbarung fortgesetzt würde. Auch die fünf von The Grocer genannten potenziellen Partner hat es nicht benannt.
Die Prüfung erfolgt in einer schwierigen Zeit für Fassbier und andere traditionelle Bierkategorien im Vereinigten Königreich. Brauereien stehen dort unter dem Druck einer schwächeren Konsumnachfrage und eines schwierigen Geschäftsumfelds in Pubs und Bars. Unter diesen Bedingungen fallen Fixkosten und Vertriebsausgaben stärker ins Gewicht – insbesondere für unabhängige und regionale Hersteller, die nicht über die Größenordnung großer Brauereigruppen verfügen.
In den von The Grocer zitierten öffentlichen Äußerungen stellte Adnams das Brauen und die Gastronomiebetriebe in Southwold in den Mittelpunkt seiner langfristigen Strategie. Die laufende Prüfung zeigt jedoch, dass das Unternehmen erhebliche Änderungen daran in Betracht zieht, wie sein für den Einzelhandel bestimmtes Bier hergestellt und abgefüllt wird, sofern dies die Margen schützt und ein tragfähigeres Betriebsmodell ermöglicht.
Eine endgültige Vereinbarung zur Auslagerung wurde nicht bekannt gegeben; auch zum Ende der Prüfung hat sich das Unternehmen nicht geäußert. Klar ist, dass Adnams aktiv prüft, ob sich das derzeitige Modell – Brauen in Southwold und anschließender Transport zur Abfüllung – weiterhin rechtfertigen lässt, wenn allein die Logistikkosten mehr als 300.000 £ pro Jahr betragen.