02.06.2026
Eine neue Studie aus Deutschland zeigt, dass zwei kürzlich zugelassene Reben-Unterlagen, Libero und Vinto, eine hohe Toleranz gegenüber der Reblaus aufwiesen und in mehrjährigen Feldversuchen auf Augenhöhe mit etablierten kommerziellen Unterlagen abschnitten. Das könnte Winzern mehr Optionen verschaffen, während sie mit Schädlingsdruck und Klimastress konfrontiert sind.
Die am 1. Juni in OENO One veröffentlichte Forschung, an der unter anderem Timo Strack, Frank Manty und Kollegen beteiligt waren, testete die beiden Zuchtlinien in mehreren deutschen Weinregionen und in unterschiedlichen Phasen der Baumschulproduktion. Die Autoren erklärten, beide Unterlagen trügen denselben Resistenzmechanismus wie Börner, eine seit Langem genutzte deutsche Unterlage, die für ihre vollständige Resistenz gegen Reblaus an Wurzeln und Blättern bekannt ist. In der Studie zeigten Libero und Vinto zudem agronomische Eigenschaften, die Züchter als wichtig einstufen, darunter eine akzeptable Holzproduktion an Vermehrungsstandorten, gute Pfropfkompatibilität mit gängigen Edelreisern sowie eine mit kommerziellen Standards vergleichbare Saftqualität in Weinbergsversuchen.
Die Reblaus, ein wurzelfressendes Insekt, das im 19. Jahrhundert die europäischen Weinberge verwüstete, zählt weiterhin zu den schwerwiegendsten Bedrohungen für den Rebenanbau. Da eine direkte chemische Bekämpfung nur eingeschränkt möglich ist und den europäischen Zielen zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln entgegensteht, ist die Unterlagenzüchtung zu einem der wichtigsten Instrumente im Umgang mit dem Schädling geworden. Die neuen Ergebnisse sind deshalb bedeutsam, weil sie darauf hindeuten, dass neuere Zuchtlinien Schädlingsresistenz mit praktischer Leistung im Weinberg verbinden können, statt Erzeuger zu zwingen, sich zwischen beidem zu entscheiden.
Die Forscher bewerteten die Kandidaten nach den offiziellen deutschen Prüfverfahren. Sie untersuchten die Anfälligkeit gegenüber der Reblaus über mehrere Jahre hinweg mithilfe von Feldbonituren und Gewächshausversuchen, prüften das Vorhandensein des Resistenzlocus Rdv1 mit DNA-Markern, maßen Wachstum und Holzleistung an Vermehrungsstandorten in Geisenheim und Heppenheim und testeten den Pfropferfolg mit Chardonnay, Pinot noir und White Riesling. Zudem führten sie Anpassungsversuche unter kommerziellen Weinbergsbedingungen in Regionen wie Rheingau, Rheinhessen, Pfalz, Württemberg und Hessische Bergstraße durch.
Laut der Studie waren sowohl Libero als auch Vinto hochresistent gegen Reblaus und erzielten bei Ertrag und Saftqualität ähnliche Ergebnisse wie die als Referenz verwendeten kommerziellen Unterlagen. Das sei wichtig, so die Autoren, weil Unterlagen nicht nur Schädlinge abwehren müssten: Sie müssten auch die Wuchskraft der Reben unterstützen, gut mit den Rebsorten harmonieren und genügend verwertbares Holz für die Baumschulen liefern.
Die Studie stellte außerdem eine auf Rhizoboxen basierende Pipeline zur Erfassung der frühen Wurzelentwicklung vor. Mithilfe transparenter Boxen, wöchentlicher Bildgebung und softwaregestützter Analyse maß das Team, wie sich Wurzeln bildeten, nachdem Stecklinge unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt worden waren. Nach Angaben der Autoren könnte diese Methode Züchtern helfen, junges Material effizienter zu selektieren, bevor es in längere Feldversuche geht.
Die Arbeit erscheint vor dem Hintergrund eines zusätzlichen Drucks auf europäische Weinberge durch höhere Temperaturen, die die Vermehrungszyklen der Reblaus beschleunigen und das Risiko von Ausbrüchen auf vernachlässigten oder schlecht bewirtschafteten Flächen erhöhen können. Die Forscher argumentierten, dass eine größere Vielfalt resistenter Unterlagen nicht nur für die Schädlingsbekämpfung wichtig sei, sondern auch für die Anpassung der Weinberge an veränderte Böden und Wetterverhältnisse.
Für Erzeuger liegt der praktische Nutzen auf der Hand: Mehr Unterlagenoptionen können eine bessere Abstimmung zwischen Standortbedingungen, Rebsorte und Krankheitsdruck ermöglichen. Die Autoren erklärten, Libero und Vinto erweiterten diese Auswahl und bewahrten zugleich jene Reblausabwehr, die seit dem ursprünglichen Befall nach Einführung des Pfropfens zum Standard der modernen Weinbaupraxis geworden ist.
Vinetur® wurde 2007 gegründet und ist eine eingetragene Marke von VGSC S.L. mit einer langen Geschichte im Weinsektor.
VGSC, S.L. ist ein im Handelsregister von Santiago de Compostela, Spanien, eingetragenes Unternehmen.
E-Mail: info@vinetur.com | Tel: +34 986 077 611
Hauptsitz und Büros in Vilagarcia de Arousa, Galicien