Tausende französische Winzer beantragen Hilfe zum Roden von Reben

30.04.2026

Frankreich will die Rebfläche verkleinern, da schwache Nachfrage und Klimadruck die Weinbranche des Landes verändern

Fast 6.000 französische Winzer haben staatliche Hilfe zum Roden von Reben beantragt, während das Land einen Plan vorantreibt, rund 28.000 Hektar Rebfläche zu entfernen – als Reaktion auf die schwächere Nachfrage und den zunehmenden Druck des Klimawandels auf den Sektor.

Das von FranceAgriMer umgesetzte Programm wird mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 130 Millionen Euro finanziert und bietet den Erzeugern 4.000 Euro pro entferntem Hektar. Die Arbeiten müssen bis zum 31. Dezember 2026 abgeschlossen sein. Nach Angaben der Behörden soll das Angebot an Rebflächen näher an die aktuelle Marktnachfrage herangeführt werden, nachdem der Konsum über Jahre zurückgegangen ist, insbesondere bei Rotwein.

Jérôme Despey, der bei FranceAgriMer den Weinausschuss leitet, sagte, die meisten Anträge kämen aus den südwestfranzösischen Weinregionen, darunter Gironde, Aude, Gard, Hérault, Pyrénées-Orientales und Gers. Diese Gebiete seien sowohl von schwachen Verkäufen als auch von Wetterextremen besonders hart getroffen worden, die den Anbau schwieriger und weniger planbar gemacht hätten.

Die Anträge beziehen sich überwiegend auf rote Rebsorten, die am Markt an Boden verloren haben. Von der Fläche, auf die sich die Anträge beziehen, sollen rund 37 % vollständig gerodet werden; diese Erzeuger würden damit ganz aus der Weinproduktion aussteigen. Bei den übrigen 63 % geht es um die teilweise Entfernung älterer Reben, meist über 10 Jahre alt, damit die Betriebe ihre Produktion senken und ihre Pflanzungen neu ausrichten können.

Die Maßnahme folgt auf frühere staatliche Unterstützung für das Roden von Rebflächen. 2024 stellte Frankreich dafür bereits 110 Millionen Euro bereit. Der neue Plan kommt, nachdem das Europäische Parlament ein umfassenderes Paket gebilligt hat, das den Erzeugern zudem mehr Flexibilität im Weinbergsmanagement sowie Unterstützung für die Produktion alkoholfreier Weine bietet.

Französische Behörden stehen unter Druck, auf den langjährigen Rückgang des Weinkonsums zu reagieren. Daten von FranceAgriMer zeigen, dass der Pro-Kopf-Weinkonsum von rund 120 Litern pro Jahr vor Jahrzehnten auf heute etwa 40 Liter gesunken ist. Allein der Absatz von Rotwein ist in den vergangenen drei Jahren um 15 % zurückgegangen.

Für manche Erzeuger ist das Roden von Reben ein Ausweg aus einem Geschäft, das sich finanziell nicht mehr trägt. Andere könnten auf Kulturen wie Oliven oder Pistazien umsteigen, während sich einige ältere Landwirte eher für den Ruhestand als für eine Neupflanzung entscheiden dürften. Die Veränderungen werden voraussichtlich die Produktionsmuster in ganz Frankreich neu prägen und könnten Preise, Margen und Pflanzentscheidungen weit über die Landesgrenzen hinaus beeinflussen.