19.01.2024
Die Weinindustrie steht derzeit vor einer komplexen Herausforderung, die das Vorhandensein von Quercetin in Weinen betrifft. Dieses Flavonol, das für seine positiven antioxidativen Eigenschaften bekannt ist, hat sich als problematisch für die Weinqualität und die Gesundheit einiger Verbraucher erwiesen. Jüngste Entdeckungen und Fortschritte bei den önologischen Verfahren zielen darauf ab, diese negativen Auswirkungen zu mindern und gleichzeitig die Integrität und Qualität der Weine zu erhalten.
Quercetin ist ein Flavonoid, das von der Weinrebe vor allem als Reaktion auf die Einwirkung ultravioletter Strahlung synthetisiert wird. Zusammen mit anderen Phenolen besitzt diese Verbindung eine bedeutende antioxidative Wirkung, indem sie die Bildung freier Radikale verhindert. Seine Anwesenheit im Wein ist jedoch nicht unumstritten. Insbesondere kann Quercetin sowohl bei der Lagerung im Keller als auch bei der Abfüllung in der Flasche zur Bildung von unlöslichen Ausfällungen führen, die vor allem polyphenolreiche Weine beeinträchtigen.
Neben den technischen Aspekten hat Quercetin auch im Bereich der Gesundheit an Bedeutung gewonnen. Eine Studie der Universität von Kalifornien, Davis, hat ergeben, dass diese Verbindung den Alkoholstoffwechsel stören und bei bestimmten Personen Kopfschmerzen verursachen kann. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich eine dysfunktionale Variante des Enzyms ALDH2, das für die Verstoffwechselung von Acetaldehyd verantwortlich ist, in Gegenwart von Quercetin, insbesondere in seiner Form des Quercetin-3-Glucuronids, anreichern könnte. Dieser Befund eröffnet eine neue Perspektive auf die unerwünschten Reaktionen einiger Verbraucher beim Genuss von Rotwein, der bekanntermaßen einen höheren Gehalt an Quercetin aufweist als Weißwein oder andere alkoholische Getränke.
Angesichts dieser Situation stehen Weinbau und Önologie vor der Herausforderung, die Quercetin-Konzentration in Weinen zu verringern, ohne deren Qualität zu beeinträchtigen. In der jüngsten Forschung wurden verschiedene Strategien sowohl für den Traubenanbau als auch für die Weinbereitung untersucht. Es ist bekannt, dass eine stärkere Sonneneinstrahlung auf die Trauben den Quercetingehalt deutlich erhöht. Daher ist eine sorgfältige Bewirtschaftung des Weinbergs unerlässlich, um die Konzentration von Quercetin zu kontrollieren.
In diesem Zusammenhang wurden im Rahmen des Projekts Vintegro Versuche zur Verringerung des Quercetin-Gehalts im Wein durchgeführt, wobei verschiedene önologische Produkte und Weinbereitungstechniken eingesetzt wurden. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Der Verschnitt von Weinen mit geringerem Quercetingehalt führte zu einer deutlichen Verringerung dieser Verbindung. Andere Verfahren, wie die Verwendung spezifischer Enzyme, haben sich bei der Hydrolyse von Quercetinglucosiden als wirksam erwiesen und erleichtern die Entfernung der Aglykonfraktion mit Hilfe von Klärmitteln wie PVPP und pflanzlichen Holzkohlen. Diese Techniken sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie andere organoleptische Eigenschaften des Weins, wie Farbe, Struktur und Aromen, beeinträchtigen können.
Die Stabilisierung von Quercetin im Wein erfordert ein sorgfältiges Gleichgewicht. Bei Weinen mit einem hohen Gehalt an kombinierten Formen von Quercetin kann die Zugabe von Enzymen ein wirksamer erster Schritt sein, gefolgt von der Entfernung der überschüssigen freien Fraktion. Es ist wichtig zu bedenken, dass der Glucuronidgehalt von Quercetin auch ein Risiko der Instabilität während der Weinalterung und -reifung darstellen kann, was besondere Aufmerksamkeit erfordert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Vorhandensein von Quercetin im Wein eine vielschichtige Herausforderung für die Weinindustrie darstellt. Die Erforschung und Entwicklung neuer önologischer Verfahren und die Bewirtschaftung der Weinberge sind unerlässlich, um die nachteiligen Auswirkungen von Quercetin abzuschwächen und so die Qualität und Sicherheit der Weine zu gewährleisten.
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