25.03.2026
Ein Gremium führender Experten der Weinbranche hat davor gewarnt, dass der Sektor der Edel- und Premiumweine vor einem grundlegenden Wandel steht, da er mit einem Generationenwechsel im Verbraucherverhalten konfrontiert ist. Max Lalondrelle, Managing Director Fine Wine bei Berry Bros. & Rudd, erklärte, dass das derzeitige Modell für den Verkauf von Spitzenweinen nicht mehr funktioniere. Er argumentierte, dass sich die Branche in den letzten zwei Jahrzehnten auf den Verkauf von Wein über den Preis konzentriert hat, was das Vertrauen der Käufer beschädigt hat. Viele Kunden haben erlebt, dass Weine, die sie gekauft haben, später auf dem Sekundärmarkt zu niedrigeren Preisen angeboten wurden, was ihr Vertrauen untergraben hat.
Lalondrelle erklärte, dass dieser Vertrauensverlust mit den globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen zusammenfiel. Er wies darauf hin, dass in ganz Europa eine große Menge an edlen Weinen gelagert wird, es aber weniger aktive Käufer gibt. Die Branche müsse sich entscheiden, ob sie auf die Rückkehr der Verbraucher warten oder ihren Ansatz beim Weinverkauf grundlegend ändern wolle. Er sagte voraus, dass in 15 bis 20 Jahren traditionelle Praktiken wie der kistenweise Verkauf von Wein verschwinden könnten, da die jüngeren Generationen Wein nicht mehr auf dieselbe Weise konsumieren oder sammeln wollen wie frühere Generationen.
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass Händler und Plattformen von der Rabattierung abrücken und sich auf den Verkauf des Produkts selbst konzentrieren müssen. Evgeny Chichvarkin, Gründer und Eigentümer von Hedonism Wines, wies darauf hin, dass einige Unternehmen gezwungen sind, am Jahresende mit Verlust zu verkaufen, um ihre Verkaufsziele zu erreichen oder Cashflow für neue Jahrgänge zu generieren. Diese Praxis trägt zur Instabilität des Marktes bei und untergräbt das Vertrauen der Käufer weiter.
In der Diskussion wurden auch die Veränderungen im Kundenstamm für edle Weine in London angesprochen, die sich aus den Anpassungen der Steuervorschriften für Nichtunternehmer im Vereinigten Königreich ergeben. Chichvarkin sagte, dass sein Unternehmen aufgrund dieser Veränderungen nach neuen Partnern in Märkten wie Dubai sucht. Lalondrelle merkte jedoch an, dass einige vermögende Privatpersonen zwar ihre Ausgaben reduziert haben - von 100.000 Pfund auf 50.000 Pfund pro Jahr -, dass aber viele den Markt nicht ganz verlassen haben, sondern einfach weniger kaufen.
Simon Farr, Gründer von Cru World Wine, beschrieb die derzeitige Situation eher als säkularen Wandel denn als typischen Abschwung. Er wies darauf hin, dass die geburtenstarken Jahrgänge, die einen großen Teil des Booms bei edlen Weinen ausmachten, keinen Wein mehr kaufen, um ihn für den späteren Konsum zu lagern. Der Markt wurde durch den wachsenden globalen Wohlstand und die niedrigen Kreditkosten nach 2008 weiter angeheizt, aber diese Faktoren schwinden nun. Farr glaubt, dass dies zu einem grundlegend anderen Marktumfeld in der Zukunft führen wird.
Farr betonte auch, wie wichtig es ist, die Verbraucher durch Erlebnisse anzusprechen, anstatt nur Angebote oder Preislisten zu verschicken. Er schlug vor, die Menschen einzuladen, Weine zu probieren und mehr über ihre Geschichte zu erfahren, um dauerhafte Beziehungen zu den Kunden aufzubauen.
Matthieu Jullien, CEO von LVMH Vins d'Exception, schloss sich diesen Worten an und forderte eine stärkere Zusammenarbeit in der gesamten Branche. Er sagte, Erzeuger und Händler müssten sich auf Gastfreundschaft und das Erzählen von Geschichten konzentrieren, anstatt sich ausschließlich auf traditionelle Vertriebsmethoden zu verlassen. Jullien berichtete von Optimismus auf internationalen Märkten wie Indien und Hongkong, wo die Nachfrage nach edlen Weinen weiterhin stark ist.
Trotz der Bedenken hinsichtlich des Vertrauens innerhalb der Branche stellten die Diskussionsteilnehmer positive Trends fest, wie z. B. hybride Einzelhandelskonzepte und das wachsende Interesse jüngerer Verbraucher, die eine größere Auswahl und erschwingliche Optionen wünschen. Lalondrelle wies auch auf das ungenutzte Potenzial von Frauen als Sammlerinnen und Investorinnen in feine Weine hin. Berry Bros. & Rudd arbeitet aktiv daran, mehr Frauen und jüngere Käufer für das Sammeln von edlen Weinen zu gewinnen.
Die Experten sind sich einig, dass eine Erholung zwar möglich ist, aber erhebliche Veränderungen bei der Vermarktung und dem Verkauf von Edel- und Premiumweinen erfordern wird. Die Branche muss sich auf neue Verbraucherpräferenzen einstellen und Wege finden, um das Vertrauen wiederherzustellen, wenn sie in den kommenden Jahrzehnten erfolgreich sein will.
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