28.04.2026
Ein Weinberg in der Toskana hat gezeigt, dass sich mit Präzisionslandwirtschaft bei Düngung und Lese die Rentabilität deutlich steigern lässt – allerdings nur, wenn der Betrieb groß genug ist, um die Kosten für die Technik zu tragen.
Die am 24. April in der Fachzeitschrift Precision Agriculture veröffentlichte Studie verglich drei Bewirtschaftungssysteme auf einem Bio-Weingut im Gebiet des Chianti Classico in Mittelitalien: konventionelle Bewirtschaftung mit einem herkömmlichen Düngerstreuer und manueller Lese; ein einfacheres Präzisionssystem mit variabler Düngung und einem selbstfahrenden Vollernter; sowie ein fortschrittlicheres System, das variable Düngung mit einem Selektivvollernter kombinierte, der Trauben nach Qualität sortiert.
Nach Angaben der Forscher erzielte das fortschrittlichste System die höchste Bruttomarge von 10.732,82 Euro pro Hektar und Jahr – rund doppelt so viel wie die konventionelle Bewirtschaftung. Dieser Zuwachs beruhte auf zwei Faktoren: direkten Kosteneinsparungen von 66,1 Prozent und einem Umsatzplus von 33,6 Prozent. Auch das einfachere Präzisionssystem verbesserte die Erträge, wenn auch nicht so stark wie das fortschrittlichste Setup.
Die Ergebnisse sind relevant, weil Weinberge zu den inputintensivsten Betrieben in der Landwirtschaft zählen und die Erzeuger unter dem Druck steigender Arbeits-, Treibstoff- und Materialkosten stehen. Präzisionswerkzeuge wie variable Ausbringung und selektive Lese werden häufig wegen ihrer ökologischen Vorteile beworben, doch belastbare wirtschaftliche Daten sind bislang begrenzt – vor allem für den gesamten Betrieb und nicht nur für einzelne Arbeitsschritte.
Die Studie stützte sich auf Praxisdaten aus drei Vegetationsperioden von 2020/21 bis 2022/23, die im Mai 2024 in Interviews mit dem Betriebsleiter erhoben wurden. Im Fokus standen zwei Arbeitsgänge, auf die ein großer Teil der Kosten im Weinberg entfällt: Düngung und Lese. Die Forschenden nutzten eine Partialbudgetierung, um zu vergleichen, wie sich die einzelnen Bewirtschaftungssysteme unter ähnlichen Boden- und Klimabedingungen auf Kosten und Erlöse auswirkten.
Der Weinberg unter konventioneller Bewirtschaftung umfasste 24,2 Hektar. Ein zweiter Schlag mit 64,8 Hektar setzte auf variable Düngung, behielt aber einen herkömmlichen selbstfahrenden Vollernter bei. Ein dritter Schlag mit 61,7 Hektar nutzte sowohl variable Düngung als auch einen Selektivvollernter, der Trauben im Feld anhand von Qualitätsunterschieden in zwei Behälter trennt.
Alle Präzisionssysteme basierten auf Applikationskarten, die aus Drohnenflügen mit NDVI-Bildern erstellt wurden. Diese messen die Vitalität des Kronendachs und helfen dabei, Unterschiede innerhalb des Weinbergs zu erkennen. Die Karten wurden auf Maschinen mit GPS-Lenkung geladen, damit der Dünger standortgenau statt in einheitlicher Menge ausgebracht werden konnte.
Die Studie berechnete zudem die Mindestgröße eines Weinbergs, ab der sich die Technologie finanziell rechnet. Den Autoren zufolge wird das fortschrittlichere Präzisionssystem ab 25,81 Hektar wirtschaftlich tragfähig, das einfachere Präzisionssystem ab 16,42 Hektar. Unterhalb dieser Schwellen übersteigen die Investitionskosten den Nutzen.
Das verweist auf eine der größten Hürden bei der Einführung: die Vorabinvestitionen in Maschinen und digitale Werkzeuge. Nach Ansicht der Autoren könnten öffentliche Fördermittel helfen, diese Hürde zu senken und Präzisionslandwirtschaft auch für kleinere Winzer zugänglicher zu machen.
Die Forschung ergänzt eine wachsende Zahl von Arbeiten, die zeigen, dass Präzisionsweinbau mehr leisten kann als nur den Inputeinsatz zu senken oder die Nachhaltigkeit zu verbessern. In manchen Fällen kann er auch den Umsatz steigern, indem er die Traubenqualität bei der Lese verbessert. Die Studie legt jedoch nahe, dass für viele Betriebe die Größe entscheidend dafür bleibt, ob sich diese Vorteile durch die Investition rechtfertigen lassen.
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