27.04.2026
Eine Studie zu Keramik aus dem Kaukasus der Bronzezeit hat Hinweise darauf gefunden, dass die dortigen Gemeinschaften bereits vor rund 5.000 Jahren Milchprodukte, fruchtbasierte Speisen und Getränke aus Trauben nutzten – und bietet damit einen detaillierten Einblick in die Ernährungs- und Trinkgewohnheiten der Menschen der Kura-Araxes-Kultur.
Die im Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Forschung wurde von einem internationalen Team durchgeführt, dem unter anderem die Universität Bari Aldo Moro in Italien, die Universität Bonn in Deutschland sowie mehrere Forschungseinrichtungen in Aserbaidschan, Österreich und Frankreich angehörten. Im Mittelpunkt standen 52 Keramikgefäße von der Fundstätte Qaraçinar im südlichen Kaukasus; mithilfe von Rückstandsanalysen wurde ermittelt, was darin gekocht, gelagert oder konsumiert worden war.
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Menschen, die in der Bronzezeit in der Region lebten, Milchprodukte, Getränke auf Basis von Früchten und Trauben, Öle, Pflanzenwachse und Harze von Nadelbäumen herstellten und konsumierten. Nach Angaben der Forschenden könnten die Harze als Aromastoffe oder Konservierungsmittel gedient haben. Zudem fanden sie Hinweise darauf, dass Traubensaft oder Wein, vermutlich mit Harz versetzt, nicht nur den Eliten vorbehalten war, sondern zum breiteren Alltagsgebrauch gehörte.
Die Studie verweist außerdem auf eine funktionale Aufteilung der Gefäße. Schlichte Keramik wurde vor allem zum Kochen verwendet, während rot und schwarz polierte Töpfe offenbar zum Essen oder Trinken nicht erhitzter Milchprodukte sowie für Getränke aus Früchten und Trauben dienten. Das Vorkommen von Fruchtrückständen in Kochgefäßen und Vorratskrügen deutet darauf hin, dass Früchte zum Süßen von Speisen oder zur Geschmacksgebung genutzt wurden und möglicherweise auch bei der Käseherstellung eine Rolle spielten.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis war der Nachweis von Hirsespuren, was auf Kontakte nach Zentralasien hinweist, wo das Getreide angebaut wurde. Nach Angaben der Forschenden handelt es sich um den bislang frühesten Nachweis von Hirse im südlichen Kaukasus.
Giulio Palumbi, Professor für prähistorische und protohistorische Archäologie an der Universität Bari Aldo Moro, sagte, Keramik sei einer der markantesten Ausdrucksformen der Kura-Araxes-Kultur gewesen; ihre Nutzung in lebensmittelbezogenen Praktiken habe wahrscheinlich eine zentrale Rolle für soziale Integration und kulturelle Weitergabe innerhalb dieser Gemeinschaften gespielt.
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