Südtirol startet Online-Düngerbörse zur Vernetzung von Tierhaltern und Landwirten

13.03.2026

Neue Plattform soll den Vertrieb von organischem Dünger optimieren und die nachhaltige Landwirtschaft im Obst- und Weinsektor der Region fördern

In Südtirol wurde eine neue Online-Börse für biologischen Wirtschaftsdünger ins Leben gerufen. Ziel ist es, Viehzuchtbetriebe mit Obst- und Weinbauern, die natürlichen Dünger benötigen, zusammenzubringen. Die Initiative mit dem Namen "Wirtschaftsdüngerbörse" ist Teil des Projekts "INNONährstoffe", das vom Südtiroler Bauernbund in Zusammenarbeit mit lokalen landwirtschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen durchgeführt wird.

Der Südtiroler Obst- und Weinbau ist in hohem Maße auf organische Düngemittel aus der Viehzucht angewiesen. Viele Erzeuger haben jedoch Schwierigkeiten, herauszufinden, wo überschüssiger Dünger verfügbar ist oder wo er benötigt wird. Die neue Plattform soll diese Informationslücke schließen und nachhaltige Nährstoffkreisläufe in der Region fördern.

Die Börse ist über den Online-Mitgliederbereich "mein SBB" des Südtiroler Bauernbundes zugänglich. Mitglieder können dort Mist, Gülle, Jauche oder Kompost anbieten oder nachfragen. Alle Angebote sind zentralisiert, was es den Landwirten erleichtert, Angebot und Nachfrage abzugleichen. Wenn eine Transaktion vereinbart wird, erstellt die Plattform automatisch ein Protokoll, um den Austausch zu dokumentieren.

Daniel Gasser, Präsident des Bauernverbands, sagte, dass die Verwendung von organischem Material zur Düngung von Obstplantagen viele Vorteile mit sich bringt. Viehdung enthält wertvolle Nährstoffe und trägt zum Aufbau von Bodenhumus bei. Er wies darauf hin, dass die Viehzuchtbetriebe hauptsächlich in den Seitentälern und in höheren Lagen wie dem Pustertal angesiedelt sind, während die Obst- und Weinproduktion vom Vinschgau bis Salurn und im Eisacktal konzentriert ist. Diese geografische Trennung macht die Logistik zu einer Herausforderung.

Matthias Bertagnolli, Leiter der Abteilung Innovation & Energie beim Verband, erklärte, dass viele Betriebe nicht wissen, wo und in welchen Mengen organischer Dünger verfügbar ist oder benötigt wird. Die neue Börse soll eine transparente und unkomplizierte Lösung für die Mitglieder bieten.

Die Projektergebnisse haben auch gezeigt, dass es in der Tierhaltung weniger überschüssigen Dünger gibt als bisher angenommen. Tatsächlich sind einige Grünlandbetriebe unterversorgt und benötigen zusätzlichen organischen Dünger, um ihre Wiesen zu pflegen. Dies deutet darauf hin, dass die Viehzuchtbetriebe bereits verantwortungsvoll mit ihren Nährstoffkreisläufen umgehen.

Die Idee einer Güllebörse ist nicht neu, ähnliche Plattformen gibt es in Österreich und der Schweiz. Im Rahmen des Projekts INNONährstoffe befragten die Forscher Südtiroler Landwirte zu ihrem Interesse an einem solchen System. Etwa 50 % äußerten generelles Interesse an der Nutzung einer Börse, weitere 14 % waren interessiert, hatten aber spezifische Anforderungen wie Transparenz über die Düngerqualität (einschließlich Bio-Zertifizierung), einfache Verfahren und faire Preise.

Diese Anforderungen wurden bei der Gestaltung der Südtiroler Plattform berücksichtigt, um eine praktische Nutzung zu gewährleisten. Das System verfolgt auch vergangene Aktivitäten und stellt sie grafisch dar, damit die Nutzer ihren Austausch verfolgen können.

Das Projekt INNONährstoffe lief von 2022 bis 2025 und wurde aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) finanziert. An dem Projekt waren mehrere Partner beteiligt, darunter BRING (Beratungsdienst für Berglandwirtschaft), der Beratungsdienst für Obst- und Weinbau, das Forschungszentrum Laimburg, die Freie Universität Bozen und vier lokale landwirtschaftliche Betriebe.

Ziel des Projekts war es, die Düngemittelkreisläufe zwischen Grünlandwirtschaft und Obst-/Weinbau zu analysieren und Möglichkeiten zu deren Optimierung zu finden. Die Forscher untersuchten sowohl einzelbetriebliche Lösungen wie die neue Börse als auch regionale Stoffströme. Sie untersuchten auch Biogasanlagen als mögliche Übergabepunkte für Gülle und führten Bodenproben und Düngemittelanalysen durch.

Mit der neuen Plattform hofft die Südtiroler Landwirtschaft, die vorhandenen Ressourcen besser nutzen zu können und gleichzeitig nachhaltige Anbaumethoden in den verschiedenen Produktionszweigen zu fördern.