Mammutknochen im Weinkeller entdeckt

24.05.2024

30.000 Jahre alte Knochen im Keller eines Winzers ausgegraben

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie befinden sich in dem beschaulichen Dorf Gobelsburg in Österreich und nippen vielleicht an einem Glas Grüner Veltliner, als ein örtlicher Winzer auf einen prähistorischen Schatz unter seinen Füßen stößt. Andreas Pernerstorfer, ein bescheidener Winzer, rechnete nicht damit, bei einer Routine-Renovierung in seinem Weinkeller Schlagzeilen zu machen. Doch als er das, was er zunächst für altes Holz hielt, unter die Lupe nahm, entdeckte er Mammutknochen, die 30.000 bis 40.000 Jahre alt waren.

Pernerstorfers Zufallsfund in dem charmanten Dorf rund 70 Kilometer nordwestlich von Wien wurde von den Forschern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) als "archäologische Sensation" bezeichnet. Es handelt sich um die bedeutendste Entdeckung dieser Art seit mehr als einem Jahrhundert, die sowohl die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch die Öffentlichkeit in ihren Bann zieht.

Das Abenteuer begann, als Pernerstorfer versuchte, seinen Kellerboden zu ebnen. Was er für eine Unannehmlichkeit hielt, entwickelte sich schnell zu einer historischen Offenbarung. Pernerstorfer erinnerte sich an die Erzählung seines Großvaters über Mammutmolaren, die bei einer Erweiterung des Kellers in den 1960er Jahren entdeckt worden waren, und wandte sich an das Bundesdenkmalamt. Das Amt erkannte die Bedeutung des Fundes und wandte sich an die Steinzeitexperten der OeAW.

Die engagierte Archäologin Hannah Parow-Souchon begann mit ihrem Team Anfang Mai mit den Ausgrabungen. Was als kleine Ausgrabung begann, förderte bald eine Fülle von Knochen zutage, die dicht gedrängt auf einer Fläche von 12 Quadratmetern lagen. Bislang wurden mindestens 300 Knochen identifiziert, die wahrscheinlich von drei verschiedenen Mammuts stammen. Unter den Schätzen befindet sich ein seltener Zungenknochen - ja, richtig, ein Zungenknochen.

Diese Entdeckung ist nicht nur wegen ihres Umfangs monumental, sondern auch wegen der Möglichkeit, eine solche Fundstelle mit modernen archäologischen Techniken zu erforschen. Viele ähnliche Stätten in Österreich und den angrenzenden Regionen wurden vor mehr als einem Jahrhundert ausgegraben, was bedeutet, dass sie nie mit modernen Methoden untersucht wurden. Diese Stätte bietet daher ein einzigartiges Fenster in die Vergangenheit unter Verwendung der heutigen fortschrittlichen Technologie.

Die vom Bundesdenkmalamt und dem Land Niederösterreich finanzierten Ausgrabungen haben gerade erst begonnen. Das Team will im August zurückkehren, um seine akribische Arbeit fortzusetzen. Parow-Souchons Aufregung ist spürbar - es ist ihre erste Erfahrung mit der Ausgrabung von Mammutknochen und die Erfüllung eines persönlichen Traums.

Über den anfänglichen Nervenkitzel hinaus wirft dieser Fund faszinierende Fragen über die Interaktion zwischen den frühen Menschen und diesen majestätischen Tieren auf. Es ist zwar erwiesen, dass die Menschen Mammuts jagten, aber die Einzelheiten ihrer Jagdtechniken sind nach wie vor ein Rätsel. Könnte dieser Fundort neue Erkenntnisse liefern?

Nach Abschluss der Feldarbeiten werden die Knochen zur Restaurierung in das Naturhistorische Museum Wien gebracht. Diese Zusammenarbeit zwischen Archäologen und dem Museum wird die Erhaltung dieser prähistorischen Überreste sicherstellen und eine detaillierte Analyse ermöglichen. Die Funde könnten ein neues Licht darauf werfen, wie die Steinzeitmenschen lebten und mit ihrer Umwelt interagierten, und so ein besseres Verständnis für unsere entfernten Vorfahren ermöglichen.

Wenn Sie also das nächste Mal ein Glas österreichischen Wein trinken, denken Sie daran: Unter den Weinbergen von Gobelsburg liegt eine Geschichte von alten Riesen, die geduldig darauf wartet, erzählt zu werden.