01.07.2026

Neue Forschung, veröffentlicht in OENO One, liefert Hinweise darauf, dass Bäume in der Nähe von Weinbergen den Wasserstress bei Reben erhöhen und die Richtung des Wurzelwachstums verändern können – ein Befund, der beeinflussen könnte, wie Winzer Weinbergsränder und Agroforstsysteme planen.
Die am 1. Juli in Band 60, Ausgabe 3 der Zeitschrift veröffentlichte Studie trägt den Titel „Evidence for tree-induced water stress and root system reorientation in grapevines.“ Verfasst wurde sie von Michael Bruch, Lukas Fichtl und Matthias Friedel.
Die Arbeit ergänzt eine wachsende Zahl von Studien dazu, wie Weinbergsstruktur und benachbarte Vegetation die Physiologie der Reben beeinflussen. Im vorliegenden Fall geht es nicht um Zeilenorientierung oder Laubwandmanagement, sondern um den Einfluss nahe stehender Bäume auf den Zugang der Rebe zu Wasser unter der Erde. Der zentrale Punkt ist praxisnah: Wenn Bäume und Reben denselben Raum teilen, konkurrieren sie möglicherweise um begrenzte Bodenfeuchte, und die Wurzeln der Reben können darauf reagieren, indem sie ihr Wachstumsmuster verändern.
Das ist für die Weinproduktion relevant, weil Wasserkonkurrenz das Gleichgewicht der Reben, die Beerenentwicklung und die Erträge beeinflussen kann. Für Winzer, insbesondere für jene, die Agroforstsysteme in Betracht ziehen oder Weinbergsränder neben bewaldeten Flächen bewirtschaften, könnten genauere Einschätzungen des baumbedingten Wasserstresses helfen, unerwartete Auswirkungen auf Erntemenge und Traubenkomposition zu vermeiden. Die Auswirkungen auf die Weinqualität würden von Standortbedingungen, Sorte, Boden und dem Ausmaß des Stresses abhängen.
Der Artikel erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem das Wassermanagement in vielen Regionen zu einem zentralen Thema für Weinberge geworden ist. Jüngere vitikulturelle Forschung hat sich mit Trockenheit, Hitzestress, der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und dem langfristigen Klimadruck auf Reben befasst. Vor diesem Hintergrund weist die neue Studie auf einen stärker lokalen Faktor hin, der dennoch erhebliche Folgen haben kann: die Nähe von Bäumen zu den Reben.
Der Eintrag von OENO One zu der Arbeit zeigt, dass die Forschenden sowohl Hinweise auf durch Bäume ausgelösten Wasserstress als auch auf eine Umorientierung des Wurzelsystems bei Reben gefunden haben. Das deutet darauf hin, dass sich die Wechselwirkung nicht auf Beschattung über der Erde oder Veränderungen des Luftstroms beschränkt. Sie umfasst auch die Konkurrenz im Untergrund, wo Wurzeln verschiedener Pflanzen auf dieselben Wasserreserven zugreifen könnten.
Für das Weinbergsmanagement könnten die Ergebnisse Entscheidungen darüber beeinflussen, wie nah Reben an Baumreihen, Hecken oder gemischten landwirtschaftlichen Pflanzungen gesetzt werden sollten. In manchen Fällen werden Bäume eingesetzt, um die Biodiversität zu fördern, Erosion zu verringern oder die Resilienz der Landschaft zu verbessern. Diese Vorteile können jedoch mit Nachteilen verbunden sein, wenn die Reben in Trockenperioden stärker um Wasser konkurrieren müssen.
Die Studie ist auch für Produzenten relevant, die Weinberge an wärmere und trockenere Bedingungen anpassen wollen. Wenn Bäume in der Nähe von Parzellen den Wasserstress der Reben verstärken, müssen Winzer dies möglicherweise bei der Bewässerungsplanung, der Wahl von Unterlagsreben oder der Neugestaltung von Parzellengrenzen berücksichtigen. In nicht bewässerten Weinbergen, in denen die Reben stark von gespeicherter Bodenfeuchte abhängen, können solche Wechselwirkungen besonders wichtig sein.
Die Veröffentlichung stammt aus einer Zeitschrift, die sich auf Reben- und Weinwissenschaft konzentriert, und reiht sich in weitere jüngere OENO-One-Forschungen zu den Reaktionen von Reben auf Trockenheit, Hitzebelastung, Pflanzabstände und Bodenmanagement ein. Zusammen zeigen diese Studien, wie viel Aufmerksamkeit inzwischen dem physischen Umfeld der Rebe gilt – von Klimatrends bis hin zu Entscheidungen über die Bepflanzung auf Feldniveau.
Während der Suchvermerk der Zeitschrift die Hauptaussage der neuen Arbeit benennt, enthält das hier verfügbare Material keine detaillierten numerischen Ergebnisse. Dennoch ist die Botschaft für Winzer und Weinunternehmen klar genug: Bäume in der Nähe von Weinbergen können mehr bewirken, als nur die Landschaft zu verändern. Sie können beeinflussen, wie Reben unterirdisch nach Wasser suchen und wie stark sie während der Vegetationsperiode unter Stress stehen.
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